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2. Fachgespräch MuD Tierschutz

2. Fachgespräch MuD Tierschutz am 11. April 2018

Lange Schnäbel im Hühnerstall – wie geht’s weiter?

Am 11. April 2018 fand im Bonner LVR LandesMuseum das zweite Fachgespräch der MuD Tierschutz statt. Themenschwerpunkt waren die bisherigen Praxisergebnisse in den Modellvorhaben zu Legehennenaufzucht und -haltung.

Tierhalter, Bundeslandwirtschaftsministerium, Projektträger, Wissenschaft sowie Verantwortliche für Kommunikation mit der und in die Landwirtschaft nutzten die Veranstaltung als Plattform für wichtige Dialoge. Dr. Ludger Schulze Pals (top agrar) führte durch das Programm.

Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erklärte aus Sicht des Projektträgers, wie derart große Projekte ihren Weg von der ersten Konzeption über die beschwerlichen Prozesse der bürokratischen Rahmenbedingungen bis in den Stall - und von dort aus in die Wahrnehmung der Fachwelt finden. Bernhard Kühnle, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) reflektierte den bisherigen Werdegang der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz und gab Einsicht in das weitere Vorgehen des Ministeriums. Tierschutz ist und bleibt ein wichtiger Aspekt. 

Das Tier im Blick - Fehler rechtzeitig erkennen

In Ihrem Vortrag Wissenstransfer zur Vermeidung von Federpicken und Kannibalismus in der Legehennenhaltung in den MuD Tierschutz, stellte Dr. Christiane Keppler das Tier in den Mittelpunkt des Geschehens. Sie berichtete darüber, wie mühsam das Wissen seit mehr als 20 Jahren zusammengetragen wird, seitdem die ersten Ökohennen mit langem Schnabel in die Ställe einzogen. Mittlerweile hat sie die Erfahrungen aus mehreren aufeinander folgenden Projekten zum "MTool - Managementtool für Aufzucht und Haltung" verarbeiten können. Das ist nicht die Regel. "So viel Glück muss man erst mal haben!" fasste Dr. Keppler das komplexe Thema Forschungsprojekte zusammen. In der Regel sind Projekte auf zwei Jahre befristet und die Ergebnisse verschwinden mangels Fortsetzung bzw. Nachfolgeprojekten "in der Versenkung".

Wichtiger als das Zusammenführen sei der Wissenstransfer in die Praxis - Beratung und Schulung sind zu sehr vernachlässigt worden. Im Grunde sei sie die einzige Expertin, die für Schulungen zur Anwendung des MTools zur Verfügung stünde. Bei Hochleistungstieren wie Legehennen sei es enorm wichtig, den Zustand der Herde immer im Blick zu haben und dabei eine ausreichende Anzahl Hennen regelmäßig genauer anzusehen.

Wenn man schon beim Durchgang durch den Stall Handlungsbedarf erkennen kann, ist es meistens schon zu spät. Hier bietet das MTool ein Werkzeug für die Erkennung nach einem Ampelsystem.

Erfahrungsberichte aus den MuD Tierschutz-Betrieben

Wie es in konventionellen Legehennenaufzucht mit langen Schnäbeln funktioniert, erklärte Jörg Treziak, Agrar GmbH Veckenstedt ganz modern auf virtuelle Art. Der Betrieb wurde per Video in den Vortrag eingebunden. Hier geht es zum Video.

Wie es Gockeln in der Legehennenhaltung ergeht und ob sie zur Verbesserung des Tierwohls der Legehennen geeignete Partner sind, verriet Thomas Strauss vom Hühnerhof Strauss. Der experimentierfreudige Landwirt aus Bayern setzt mittlerweile keine Gockel mehr ein, verriet er auf Nachfrage. Dafür probiert er viele Dinge aus, um für sich und seinen Betrieb den besten Weg zu finden. Nachdem er beim ersten Versuch mit ungekürzten Schnäbeln - ohne Beratung und ohne Veränderungen im Stall - schlechte Erfahrungen  gemacht hat, war er froh, bei den MuD Tierschutz mitmachen zu können. Mit staatlicher Förderung ist das Risiko geringer. Ebenfalls ist er sehr froh über die Beratung durch Christiane Keppler. Er hatte das Glück, sie für eine Schulung auf seinem Betrieb gewinnen zu können.

Legehennenaufzucht und -haltung im großen Umfang betreibt Silvio Schmidt mit seinen Partnern auf dem Geflügelhof Hottelstedt GmbH und der Junghennenaufzucht Hottelstedt GmbH. Alle Hennen werden für die eigenen Partnerställe aufgezogen, so dass alle Herden vom Schlupf bis zum Ausstallen bekannt sind. In Hottelstedt hat man das MTool im Projekt eingesetzt, aber gesamtbetrieblich reichen die dort erfassten Daten nicht aus. Daher hat das Unternehmen sein Eigenes System programmieren lassen, um auch die Daten der Packstellen mit erfassen zu können.

Wie beim Kollegen Strauss ist ihm die Schulung der Mitarbeiter wichtig - allerdings auch bestätigt er das unterschiedliche Engagement der Mitarbeiter.

Was muss ein Ei kosten?

Gleich zu Beginn ihres Vortrages erklärte Fides Marie Lenz, KTBL, dass die "Einzelbetriebswirtschaftlichen Auswertungen der Demonstrationsbetriebe" in den ersten beiden Netzwerken die Frage nicht allgemeingültig beantworten können. Alle Betriebe sind unterschiedlich aufgestellt. Allerdings soll in den neuen Netzwerken die Frage der Automatisierung der arbeitsaufwändigen Einbringung von Beschäftigungsmaterial mehr Erkenntnisse bringen. Denn Arbeitszeitaufwand, geringere Besatzdichte und kostenintensive Beschäftigungsmaterialien sind sehr unterschiedlich in den Betrieben ins Gewicht gefallen.

Ganz klares Ergebnis ist: Die Kosten steigen. Das muss über den Preis wieder ausgeglichen werden können. Allerdings kann noch nicht abgesehen werden, ob sich wie im Einzelfall geschehen, durch ein besseres Management sogar Kosten auffangen lassen.

Wie können die Ergebnisse in die Praxis und bis zur Ladentheke transportiert werden?

Prof. Dr. Ute Knierim, Universität Kassel, Projektpartnerin bei der Beratungsinitiative MTool, Ludwig Diekmann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Beratungsinitiative Legehennenhaltung, Dr. Katharina Kluge, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft,  Legehennenhalter Malte Wolter (Wolter GbR) und Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft e.V. diskutierten, ob der Verbraucher tatsächlich am Ende mehr für das Tierwohl bezahlen wird, wie dieses an der Landentheke erkennbar sein soll und wie den Tierhaltern geholfen werden kann, bevor der Markt die geforderten höheren Aufwändungen ausgleicht.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Haltung von Hennen mit unkupiertem Schnabel verursacht höhere Kosten - das darf man nicht schön reden. Die Frage, ob das an der Ladentheke entlohnt wird, konnte im Fachgespräch nicht zufriedenstellend gelöst werden

Fazit für die MuD Tierschutz: Es muss weitergehen, da sind sich alle Beteiligten einig.