Springe zur Hauptnavigation Springe zu den wichtigen Themen Springe zum Inhalt
Suche schließen

Demonstrationsbetriebe

Netzwerk 7: Unkupierte Schaflämmer

Langtitel: Verzichten auf das Kupieren des Schwanzes bei Schaflämmern

Das Kupieren der Schwänze bei Lämmern ist im Alter von unter acht Tagen nach § 6 Absatz 1 Nummer 3 in Verbindung mit § 5 Absatz 3 Nummer 3 und 4 des Tierschutzgesetzes ohne den Einsatz von Betäubungsmitteln erlaubt, wenn der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerlässlich ist und alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Schmerzen oder Leiden der Tiere zu vermindern.

Entsprechend ist dieser Eingriff nicht routinemäßig, sondern nur im Ausnahmefall zulässig. Dennoch werden insbesondere zur weiteren Zucht verwendete weibliche Lämmer häufig kupiert, seltener männliche Mastlämmer.

Das Kupieren erfolgt hierbei insbesondere aus hygienischen Gründen. Die meisten in Deutschland gezüchteten Schafrassen haben lange, bewollte Schwänze, die stark verschmutzen können. Die verunreinigten Stellen können von verschiedenen Fliegenarten zum Ablegen ihrer Eier oder Larven genutzt werden und bei betroffenen Schafen zur sogenannten Myiasis (Fliegenmadenbefall) führen.

Durch das Kürzen des Schwanzes können die genannten kotbedingten Verunreinigungen reduziert werden. Allerdings können betroffene Schafe mit einem gekürzten Schwanz weniger effektiv Fliegen verscheuchen. Obwohl Ergebnisse wissenschaftlicher Studien nicht einstimmig eine Verbindung von Schwanzlänge und der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Myiasis herstellen, ist die Prävention für den Befall mit Schmeißfliegen einer der Hauptgründe für das Kupieren des Schwanzes bei Schafen.

Die Haltung unkupierter Langschwanzschafrassen wird in Deutschland kaum praktiziert. Da das Kupieren bei den betroffenen Tieren mit Schmerzen, Leiden und Schäden verbunden ist, sollte auf die Durchführung dieses nicht kurativen Eingriffes verzichtet werden. Damit jedoch unkupierte Langschwanzschafe erfolgreich gehalten werden können, müssen Haltungseinrichtungen und Haltungsmanagement an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden.

Um Verklebungen des Schwanzes durch Feuchtigkeit und Kot und insbesondere das Auftreten von Durchfällen zu verhindern, sind insbesondere folgende Maßnahmen von Bedeutung:

  • Minimierung des Endoparasitenbefalls,
  • Schutz vor feuchter Witterung und Verhinderung einer Durchnässung des Vlieses,
  • Schwanzschuren bei Verschmutzungsgefahr und
  • optimiertes Weide- und Fütterungsmanagement

Deutschlandweit wurden für das Themennetzwerk „Verzicht auf das Kupieren des Schwanzes bei Schaflämmern“ bis zu fünf Betriebe gesucht, die sich über einen Zeitraum von zwei Jahren als Demonstrationsbetriebe in diesem Modellvorhaben beteiligen möchten.

Mögliche Förderung der Demonstrationsbetriebe bei der Verbesserung des Tierschutzes:

Es können bis zu fünf Betriebe je Thematik gefördert werden. Förderfähig sind projektbedingte zusätzliche Beratungsleistungen, projektspezifische Betriebsausgaben, projektbedingte zusätzliche Personalausgaben und Einkommensverluste, wenn den Demonstrationsbetrieben aufgrund der Durchführung des Vorhabens nachweislich wirtschaftliche Einbußen entstehen bzw. entstanden sind. Des Weiteren sind Maßnahmen zum Wissenstransfer förderfähig, die dazu dienen, neue tierschutzrelevante Erkenntnisse und innovative Verfahren zur Verbesserung der Management- und Haltungssysteme modellhaft in die Praxis einzuführen und zu demonstrieren. Die durch das Vorhaben verursachten Ausgaben sind bis zu einem Gesamtbetrag von maximal 100.000 € förderfähig. Zusätzlich sind projektspezifische Investitionen, die einer Verbesserung des Tierschutzes dienen, zu maximal 40 % förderfähig, sofern die Investitionen über geltende Unionsnormen hinausgehen. Teilnehmende Betriebe erhalten eine Zuwendung auf Ausgabenbasis als Anteilfinanzierung. Ausführliche Informationen sind der Richtlinie über die Förderung von Modellvorhaben „Demonstrationsbetriebe im Bereich Tierschutz" vom 20. November 2014  zu entnehmen.

Voraussetzungen zur Teilnahme eines Betriebs an dem Netzwerk:

  • Landwirtschaftliche Schafhaltung im Haupterwerb oder Nebenerwerb
  • Konventionell oder ökologisch wirtschaftende Betriebe mit der Bereitschaft das Kupieren des Schwanzes beim Lamm einzustellen
  • Der Schafbestand sollte mindestens 200 Mutterschafe für die Milch- und/oder Fleischerzeugung übersteigen und es müssen mindestens 100 Lämmer pro Jahr vermarktet werden
  • Eigeneinschätzung des Betriebsleiters, ob und inwieweit der Betrieb die Anforderungen des Netzwerkes erfüllen kann
  • Der Betrieb muss angekündigten Betriebsbesuchen durch das Tierschutz-Kompetenzzentrum (inkl. Fotodokumentation) zur weiteren Einschätzung der Eignung als Demonstrationsbetrieb zustimmen und dieses bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Mögliche, umzusetzende Maßnahmen für die Betriebe (beispielhaft):

u.a.

  • Kein Kupieren von Lämmern längschwänziger-bewollter Schafrassen
  • Regelmäßige Untersuchung auf Endo- und Ektoparasiten durch einen Tierarzt, einschließlich der notwendigen Kotproben
  • Einrichtung von Beweidungs- und Futtervorratsplänen
  • Rationsberechnung und Überprüfung der eingesetzten bzw. vorhandenen Futtervorräte durch Laboruntersuchen 
  • Verbesserung des Haltungsmanagements (z.B. Unterstände, Behandlungseinrichtungen etc.) 

Erwartungen an einen zukünftigen Demonstrationsbetrieb im Bereich Tierschutz (Pflichten):

  • Ein Betriebsspiegel mit betriebsrelevanten Daten liegt vor.
  • Der Betriebsleiter hat die Datenerhebung (von tierschutzrelevanten Daten) auf seinem Betrieb durch den Berater, aber ggf. auch andere Personen, kooperativ zu unterstützen und teilweise selbsttätig durchzuführen.
  • Der Betriebsleiter hat an Netzwerktreffen der Demonstrationsbetriebe teilzunehmen. Fahrtkosten und Zeitaufwand werden entsprechend erstattet.
  • Der Betriebsleiter muss bereit sein, auf den Netzwerktreffen seine Erfahrungen und Erkenntnisse bezüglich der im Rahmen des Projektes geplanten und umgesetzten Maßnahmen den anderen teilnehmenden Berufskollegen offenzulegen.
  • Die Netzwerktreffen finden abwechselnd auf den im Netzwerk beteiligten Betrieben statt. Der Betriebsleiter muss somit bereit sein, die anderen teilnehmenden Berufskollegen, Fachberater, Wissenschaftler, Vertreter von Veterinärämtern, Landwirtschaftskammern und -ämtern, Verbänden sowie Vertreter des Kompetenzzentrums auf seinem Betrieb zu empfangen (bei der Vorbereitung dieser Netzwerkveranstaltung wird der Betriebsleiter von dem Tierschutz-Kompetenzzentrum unterstützt).
  • Durchführung von mindestens vier Multiplikatorenveranstaltungen durch den Betrieb mit insgesamt mindestens 40 qualifizierten Teilnehmern (z.B. Schäfer, Landwirte, Berater). Multiplikatorenveranstaltungen können zum Beispiel in Form von Hofführungen oder anderen Veranstaltungen mit fachlichen Inhalten zum Thema des Netzwerks erfolgen.

 Auswahlkriterien:

Es werden Betriebe aus allen Regionen Deutschlands gesucht, insbesondere in Regionen mit hohem Anteil an Schafen in der Landschaftspflege oder in der Bewirtschaftung von Binnen- und Küstendeichen. Berücksichtigung finden alle Haltungsformen.

Die Auswahl der Betriebe erfolgt u.a. nach folgenden Kriterien:

  • Regionale Verteilung der Betriebe
  • Vorbildcharakter des Betriebes
  • Innovationsbereitschaft
  • Realisierbarkeit der Maßnahme auf dem Betrieb
  • Kommunikationsfähigkeit

Ansprechpartner des Tierschutz-Kompetenzzentrums
für fachliche Fragen

Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen: Natascha Klinkel, Projektleitung
Natascha.Klinkel@llh.hessen.de

Forschungsinstitut für biologischen Landbau: Dr. Robert Hermanowski
Robert.Hermanowski@fibl.org

Fragen zur Projektträgerschaft richten Sie bitte an projekttraeger-agrarforschung@ble.de

Demobetriebe im Netzwerk

Agrarprodukte Schwabhausen eG

Landwirtschaftsbetrieb Schäferei Martens

Schäferei Pieper GbR

Betrieb Rösener

Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn gGmbH

Betrieb Brand

Kontakt

0228 - 6845 3871

Katja Deeg

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Referat 314 - Agrarforschung
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn

katja.deeg@ble.de


  • Dokument herunter laden

    Richtlinie

    über die Förderung von Modellvorhaben "Demonstrationsbetriebe im Bereich Tierschutz" (PDF, 3,5 MB)