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Geflügel

Beschäftigung der Tiere

Tiere beschäftigen

Legehennen brauchen Abwechslung. Sie benötigen manipulierbares Material, um ihren Erkundungstrieb und ihr Futtersuch- und -aufnahmeverhalten zu befriedigen. Wenn den Tieren diese Beschäftigung fehlt, besteht die Gefahr von Verhaltensstörungen.

Hühner picken instinktiv den größten Teil des Tages, ihr gesamter Organismus ist auf eine dauerhafte Futtersuche eingestellt. Doch in Jung- und Legehennenställen mit meist festen Fütterungszeiten gibt es oft Leerlauf bei der Suche, obwohl der Futtertrog in der Regel nicht leer ist. Die Tiere brauchen dann zusätzliche Beschäftigung, die das gesamte Futtersuch- und -aufnahmeverhalten mit Scharren auf dem Boden, Rupfen, Ziehen und Hacken, sowie die Aufnahme von Raufutter beinhaltet. Fehlt dies, picken einige Hennen stattdessen andere Hennen oder fressen Federn vom Boden. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, Beschäftigungsreize für Jung- und Legehennen zu setzen, die die Tiere gerne annehmen. An dieser Stelle werden die Maßnahmen vorgestellt, die bei den Betrieben der Modell- und Demonstrationsvorhabens (MuD) Tierschutz zum Einsatz kamen.

Abwechslung bieten

Damit sich Hennen im Stall nicht langweilen, benötigen sie verschiedene manipulierbare Materialen, um ihr arteigenes Verhalten ausführen zu können. Bereits eine gepflegte Einstreu und das Angebot von ausreichend vielfältigem Futter erfüllen diesen Zweck in hohem Maße. Wichtig ist, öfter etwas zu verändern, vor allem dann, wenn die Tiere das bislang angebotene Beschäftigungsmaterial nicht mehr so gut nutzen.

  • Einstreu optimieren

Weil Hennen gerne mit mehreren Tieren gleichzeitig scharren, picken oder auch staubbaden, sollte der ihnen zur Verfügung stehende Scharrraum ausreichend groß und die Einstreu trocken, locker und sauber sein. Die Einstreu ist die größte Beschäftigungsfläche im Stall. Bewährt hat sich häufiger geringere Mengen an Material nach zu streuen (anstatt selten große Mengen). Das regt die Tiere zum Durcharbeiten der Einstreu an. Eine Plattenbildung muss unbedingt vermieden werden. Dazu ist es nötig, die Einstreu ab und zu maschinell aufzulockern und den Scharrraum regelmäßig zu entmisten. Gute Dienste leisten hier (automatische) Kotschiebersysteme. Mit ihrer Hilfe ist es ohne zusätzlichen Personalaufwand möglich, die Einstreu im Stall locker zu halten, insbesondere auch im Scharrraum unter der Anlage.

  • Raufutter

Das arteigene Futteraufnahmeverhalten (Picken, Scharren, Zupfen, Hacken) der Hennen kann leicht durch zusätzliches Raufutter befriedigt werden, das in Raufen, Körben oder Netzen oder auch als ganze Ballen angeboten wird. Hierfür sind kurz geschnittenes Heu und Stroh gut geeignet. Gern wird auch Luzerne angenommen. Manche Landwirte nutzen Luzerneballen, die mit Zichorienfasern versetzt wurden. Neben der Beschäftigung der Tiere mit der Aufnahme von Raufutter hat dies zwei weitere Vorteile: Zum einen stellt Luzerne eine gute zusätzliche Eiweißquelle dar, zum anderen stimulieren die Zichorienfasern die Darmfunktion der Hennen (durch das in ihnen enthaltene natürliche Präbiotikum Inulin). Auch frische Silage (zum Beispiel Maissilage) ist durch ihren Gehalt an Milchsäure gut für die Verdauung, wird von den Tieren gerne gefressen und eignet sich hervorragend als Beschäftigungsmaterial.

  • Grünfutter und Saftfutter

Es ist möglich den Tieren auch Saftfutter in Form von z.B. Brennnessel, Weiden, Gemüse, Möhren und Rüben anzubieten. Diese werden in der Regel von den Tieren bevorzugt angenommen. Es muss hierbei auf eine ausreichende Qualität der Futtermittel geachtet werden.

  • Briketts, Cobs und Pellets

Raufutter in gepresster Form beschäftigt Jung- und Legehennen besonders intensiv und langanhaltend. Es kann in Form von Briketts aus Stroh, Luzerne, Kleegras oder Dinkelspelzen dargeboten und beispielsweise in Futterkörben den Tieren zur Verfügung gestellt werden. Besonders attraktiv sind die Briketts, wenn Körner eingepresst sind. Die Materialen können aber auch in Form von Cobs oder Pellets (z.B. Maiscobs oder Grünmehlpellets) direkt in die Einstreu gegeben werden. Beim Bepicken des Materials nutzen die Tiere gleichzeitig ihren Schnabel ab.

  • Picksteine

Picksteine stellen eine weitere Möglichkeit dar, um zusätzliche Beschäftigung der Hennen anzuregen. Im Handel gibt es Picksteine in verschiedenen Ausführungen (verschiedene Härtegrade, mit und ohne Körner oder Kräuterzusätzen). Über Picksteine können sich die Tiere somit im Bedarfsfall auch mit verschiedenen Mineralien wie Salz, Kalzium, Magnesium oder Siliziumdioxid versorgen. Manche Steine bieten die Möglichkeit des Befüllens mit Futter, um die Tiere zum Picken anzuregen, wenn sie die Steine noch nicht kennen.

  • Magensteinchen (Grit) und Muschelschalen

Ein attraktives Material für Hennen sind Magensteinchen (Grit) und Muschelschalen (Austernschalenbruch). Sie können zur freien Aufnahme angeboten oder in die Einstreu gestreut werden. Vorteilhaft ist ihre gesundheitsfördernde Wirkung: Magensteinchen unterstützen die Verdauung des Futters (zum Beispiel des zusätzlich angebotenen Raufutters). Muschelschalen dienen neben der Beschäftigung auch der Calcium-Versorgung und tragen zu einer besseren Knochengesundheit bei. Wichtig ist, dass in der Legephase beides gleichzeitig angeboten wird und Magensteine möglichst schon von der ersten Lebenswoche an in der Aufzuchtphase bereitgestellt werden.

  • (Zusätzliche) Sandbäder einrichten und pflegen

Jung- und Legehennenställe sollten stets über genügend viele, ausreichend große und stets gut gefüllte Sandbäder verfügen, damit die Tiere das arteigene Verhalten des Staubbadens ausüben können. Optimal geeignet ist ein Staubbad aus Sand oder Gesteinsmehl, das mit Silikatstaub angereichert wurde. Bei kontinuierlicher Anwendung und bei regelmäßigem Nachfüllen des Materials stellt es nicht nur einen attraktiven Ort zum Scharren, Picken und Staubbaden für die Hennen dar, sondern unterstützt die Reduktion des Milbendrucks (Rote Vogelmilbe) im Hühnerstall.

  • Getreidekörner in die Einstreu

Auch ganze Getreidekörner, die direkt in die Einstreu gegeben werden, eignen sich gut zur Beschäftigung von Jung- und Legehennen. Die Tiere werden zur Futtersuche angeregt, und ihr Erkundungstrieb wird befriedigt. Gleichzeitig lockern die Hennen die Einstreu mit auf. Die Gabe von Getreidekörnern in die Einstreu dient auch als schnelle Maßnahme in kritischen Situationen, wenn die Nervosität im Bestand groß ist und die Tiere schnell abgelenkt werden müssen.

Doch Körner in der Einstreu bergen die Gefahr einer unausgewogenen Futteraufnahme. Deshalb sollten sie erst am Nachmittag gegeben werden, wenn die Tiere ihre Tagesration bereits zum großen Teil aufgenommen haben. Zum Körnerstreuen eignen sich beispielsweise Hafer, Grünmehlpellets oder auch ein spezielles Ergänzungsfutter. Weizen ist so attraktiv für die Tiere, dass die Reaktion auf das Streuen vor allem in großen Ställen zu stark sein kann.

Automatische Beschäftigungsmöglichkeiten nutzen

Für den Landwirt selbst ist das ständige Bereitstellen von Beschäftigungsmaterial sehr arbeits- und zeitintensiv. Das stellt vor allem größere Betriebe vor Herausforderungen. Automatische Beschäftigungsanlagen oder Körnerstreuanlagen können deshalb die Arbeit sehr erleichtern und den Arbeits- und Zeitaufwand in Grenzen halten.

Mit Hilfe automatischer Beschäftigungsanlagen lässt sich pelletiertes und pulverförmiges Material leicht und mit wenig Aufwand in den Scharrraum beziehungsweise in den Außenklimabereich ausbringen. Wichtig ist, dass sich das Material gut transportieren lässt. Tests haben ergeben, dass sich gehäckseltes Stroh, trockene Maissilage, Gemische aus trockener und feuchter Maissilage und Weizenkleie besonders gut für die Ausbringung mit einem automatischen Beschäftigungssystem eignen. Diese Stoffe lassen sich mit einem Rohrleitungssystem mit einer Spirale gut in den Stall fördern. Ist das Fördersystem an der Stalldecke angebracht, fällt das Material durch Löcher in den Transportrohren in den Scharrraum. An den Auslasslöchern sollten zusätzliche Fallrohre mit Streukegeln installiert werden, die dafür sorgen, dass die Silage nicht in das Gefieder der Tiere fällt und sich besser verteilt. Hierdurch werden die Hühner weniger dazu verleitet, sich das Material gegenseitig aus dem Gefieder zu picken. Es ist aber auch möglich, die Förderer circa 80 Zentimeter über dem Boden laufen zu lassen, um zum Beispiel Stroh oder Luzerne in die Einstreu auszubringen.

Auch eine Körnerstreuanlage erleichtert die Arbeit des Legehennenhalters. Für vollautomatische Systeme werden ein Silo und entsprechende Rohrleitungen mit Spiralförderung benötigt; Öffnungen in den Rohren oder Fallrohre sorgen für die Befüllung der Streuer. Das Befüllen kann mit Hilfe einer Zeitschaltuhr über den Stallcomputer angesteuert werden. Streuer gibt es in den verschiedensten Formen – mit größeren oder kleineren Vorratsbehältern, mit und ohne Prallbleche. Für kleinere Ställe gibt es automatische Streuer, die manuell befüllt werden können.

In manchen Betrieben bringt bereits die Anschaffung eines – größeren oder kleineren – Transportfahrzeuges für das Beschäftigungsmaterial wesentliche Erleichterung bei der Arbeit.So kann sich bereits die Investition in einen Stallschlepper, eine Akkuschubkarre oder einen Handwagen sehr lohnen.

Platz schaffen – Stress reduzieren

Hohe Tierbesatzdichten in Jung- oder Legehennenställen sowie zu wenige Futter- und Tränkeeinrichtungen führen zu Stress und folglich Unruhe im Bestand. Das kann Federpicken und Kannibalismus in der Herde zur Folge haben.

  • Besatzdichte reduzieren

Sollten bereits Verhaltensstörungen auffallen, ist es deshalb angebracht, für den nächsten Durchgang eine Reduzierung der Besatzdichte ins Auge zu fassen. Ein ausreichend großer Scharrraum pro Tier und genügend begehbare Fläche bieten auch geschwächten oder schwächeren Tieren Rückzugsmöglichkeiten. Manchmal wird es dazu nötig sein, die Ausgestaltung des Stallinnenraumes zu überdenken und zu optimieren.

  • Kaltscharrräume zur Beschäftigung nutzen

Noch besser ist es, den Tieren weiteren Platz zu verschaffen, zum Beispiel in Kaltscharrräumen oder in freien Ausläufen. So bieten bereits Außenklimabereiche den Tieren wesentlich mehr Platz und Abwechslung. Darüber hinaus stärkt der Kontakt zum Außenklima (Wärme, Kälte, Sonnenlicht) das Immunsystem. Bewährt hat es sich in den überdachten Ausläufen auch Futterkörbe aufzuhängen und Stroh sowie Sandbäder anzubieten. Sitzstangen im Außenklimabereich können zusätzliche Rückzugsräume für rangniedere Tiere bieten.

  • Ausläufe optimieren

Werden Ausläufe abwechslungsreich gestaltet, werden sie besser durch die Tiere genutzt. Das Einbringen von Elementen (z.B. Unterschlupfmöglichkeiten) oder natürlichen Strukturen (z.B. einjährige und mehrjährige Bepflanzungen, Einsaaten) bieten den Tieren Deckung und schützen vor widrigen Witterungseinflüssen und vor Beutegreifern.

  • Tiere desensibilisieren

Damit die Tiere bei ungewohnten Geräuschen nicht erschrecken, sollten sie möglichst frühzeitig an verschiedenste Laute gewöhnt werden. Sinnvoll sind regelmäßige Kontrollgänge durch den Stall, bei denen der Landwirt zwischendurch unterschiedliche Geräusche erzeugt (zum Beispiel Ausschütteln von Futtersäcken, Klopfen auf Gegenstände). Gute Dienste können zudem robuste Radios (z.B. Baustellenradios) leisten. Vor allem in großen Anlagen, in denen nicht allzu häufig durch den Stall gegangen werden kann, hat sich ihr Einsatz bewährt. Die Anlagen sollten staub- und wasserunempfindlich sein, damit sie den Alltag im Hühnerstall unbeschadet überstehen. Der Einsatz sollte jedoch mit Bedacht erfolgen, das heißt die Lautstärken sollten nicht zu hoch sein und die Beschallung nicht zu lange (kein Dauereinsatz). Mit Hilfe einer Zeitschaltuhr kann z.B. gesteuert werden, wie oft und wie lange die Musik spielt.