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Geflügel

Fütterung und Wasserversorung

Bedarfsgerechte Futter- und Wasserversorgung beugt Federpicken vor

Wenn es um die Verminderung von Federpicken und Kannibalismus geht, ist die bedarfsgerechte Versorgung mit Futter und Wasser eine wichtige Stellschraube im Management.

Mit einer bedarfsgerechten Nährstoffversorgung wird in Jung- und Legehennenherden der Grundstein für eine stabile Gesundheit und für gute Leistungen gelegt. Jede Unterversorgung hingegen belastet den Stoffwechsel der Tiere und provoziert Unruhe, Stress und Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Dabei ist nicht nur die gute Versorgung mit Nährstoffen aus dem Futter wichtig, die Hennen sollten darüber hinaus stets mit frischem Tränkwasser versorgt sein. Mangelt es an Wasser guter Qualität, nehmen die Tiere weniger Futter auf und sind gestresst. Im schlimmsten Fall stellen sie das Legen ein und/oder fangen an sich gegenseitig zu picken. Zu einem guten Futter- und Wassermanagement als vorbeugende Maßnahmen gegen Federpicken und Kannibalismus zählen:

Futter- und Nährstoffaufnahme kontrollieren und optimieren

  • Installation von Wiegeeinrichtungen zur Kontrolle des Futterverbrauchs (Silowaagen, Kippwaagen)

Silowaagen dienen der besseren Kontrolle des Futterverbrauchs. Fehlt die Wiegeeinrichtung am Futtersilo, kann der Landwirt nur schätzen, wie viel Futter seine Hennen verbrauchen. Die Folgen sind (eventuelle) Futterengpässe durch verspätete Futterbestellungen beziehungsweise -lieferungen. Wiegestäbe oder Kippwaagen ermöglichen (gemeinsam mit der dazugehörigen Computertechnik) das automatische Erfassen des täglichen Futterverbrauchs, und zwar ohne zusätzlichen Personalaufwand. Je nach vorhandener Futter- und Silotechnik muss die entsprechend umsetzbare Technik gefunden werden.

  • Häufigeres Anlaufen lassen der Futterketten

Legehennen sollten mindestens einmal am Tag ihre Tröge leerfressen, damit sie auch die Feinanteile des Futters aufnehmen (und damit ausreichend Nährstoffe). Häufigeres Anlaufen der Futterkette ohne neues Futter animiert die Tiere zur Futteraufnahme.

  • Anfeuchten des Futters

Eine gute Möglichkeit, die Futteraufnahme zu steigern, ist das Anfeuchten des Futters. Hennen nehmen grundsätzlich lieber angefeuchtetes als trockenes Futter auf. Durch das Anfeuchten ändert sich die Futterstruktur – die Feinbestandteile werden besser gebunden und alle wertvollen Bestandteile des Futters aufgenommen. Doch vor allem in großen Ställen ist ein händisches Einweichen des Futters nicht möglich. Hier bieten sich Sprühdüsen aus der Spritzmitteltechnik an, mit denen Wasser fein auf die Futterketten dosiert wird. Das Wasser kann zudem mit flüssigen Futterzusätzen (z.B. Vitamine, Kräuterextrakte, fermentierte Milchsäure) versetzt werden, was ein flexibles Reagieren in Notfällen ermöglicht. Die Sprühdüsen werden an den Stellen angebracht, an denen die Futterketten in den Tierbereich laufen. Der Anschluss der Eindosierungstechnik wird über ein zusätzliches Wasserbrett realisiert. Einige Betriebe der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz haben mit diesem Verfahren gute Erfahrungen gemacht. In kleineren Ställen hat sich der Einsatz einer Rückenspritze bewährt, mit welcher der Landwirt auf die laufende Futterkette Wasser spritzen kann. Besonders wichtig ist aber, dass danach der Trog möglichst ausgefressen wird und kein feuchtes Futter zurückbleibt, um Schimmelbildung zu unterbinden.

  • Vitamin C: Das Vitamin steigert die Futteraufnahme, verbessert die Darmgesundheit und wirkt Hitzestress entgegen.
  • Fermentierte Milchsäure: Milchsäure steigert die Futteraufnahme und stabilisiert die Darmflora.
  • Oregano (flüssig): Die Gewürz- und Heilpflanze wirkt appetitanregend und verbessert die Darmgesundheit.
  • Installation von Aufstiegshilfen zwischen den Etagen

Aufstiegshilfen („Hühnerleitern“) vor den Anlagen erleichtern den Tieren den Weg in die Voliere oder Volierenanlage. Die Hennen können sich von Anfang an besser in der Anlage verteilen und erreichen die Futterlinien, Nester und Ruheplätze der oberen Etagen leichter. In vielen Systemen ist auf der obersten Ebene kein Wasser. Auch in diesem Fall können die Tiere leicht in die tiefere Etage zu den Tränken gelangen. Hühnerleitern sollten sich daher möglichst durchgängig von der untersten bis in die oberste Etage ziehen und in einem Winkel von maximal 45 Grad angebracht sein. Optimal ist es, wenn sie erst in Höhe des Hühnerkopfes beginnen. Damit wird verhindert, dass die Hühner ihre Eier in die Ecke zwischen Boden und Aufstiegshilfe legen.

  • Beleuchtung der Futterplätze

Eine gute Beleuchtung der Futterplätze – zum Beispiel mittels eines LED-Schlauchs, der die ganze Etage besser ausleuchtet - dient der Orientierung der Tiere im Stall und stimuliert die Hennen zur Futteraufnahme.

  • Strukturierung der Ställe (Abtrennungen)

Bei Freilandhaltungen sorgen zusätzliche Abtrennungen im Auslauf (Zäune) dafür, dass sich nicht mehr Hennen in bestimmten Stallabteilen (meist in den vorderen Abteilen) ansammeln und der Besatz überall gleich bleibt. So wird vermieden, dass die Tiere in einem Abteil zu wenig Futter bzw. zu wenige Fressplätze zur Verfügung haben, während sie die Futtertröge eines anderen Stallbereichs nicht leerfressen.

  • Installation eines (automatischen) Zudosierers für Futterkomponenten

Eine Möglichkeit, dem Futter bestimmte Komponenten gezielt zuzusetzen, ist ein so genannter Komponentenzudosierer. Hierbei wird ein - in einem zusätzlichen Silo befindliches, oder per Hand als Sackware einfüllbares - Zusatzfutter mittels einer Spirale zu den Futterketten transportiert, dort mit dem regulären Legefutter vermischt oder auf die Futterkette aufdosiert. Das Dosiergerät ermöglicht eine gezielte Zufütterung verschiedener pulverförmiger Futterkomponenten (Milchpulver, Bierhefe, Kalk), mit denen ein flexibles Reagieren auf kritische Situationen im Stall möglich wird:

  • Magermilchpulver beziehungsweise Molke-Fett-Konzentrat: Es bewirkt eine geschmackliche Veränderung des Futters, dient der Versorgung der Tiere mit hochwertigem Eiweiß und beugt einem Mangel an wichtigen Aminosäuren (Methionin) vor.
  • Bierhefe: Sie dient der Versorgung mit hochwertigem Eiweiß und der Stärkung des Immunsystems der Tiere.
  • Kalk (Calcium): Kalk hat einen großen Einfluss auf die Knochengesundheit und die Eischalenqualität von Legehennen. Vor allem ältere Hennen haben einen hohen Bedarf an Calcium.

Wasserverbrauch kontrollieren und optimieren

Das Tränkwasser von Legehennen sollte von einwandfreier Qualität sein. Nur eine ausreichende Wasserqualität gewährleistet eine gute Wasseraufnahme und damit auch eine ausreichende Futteraufnahme.

  • Wasseruhren regelmäßig kontrollieren

Regelmäßig sollte eine Kontrolle der aufgenommenen Wassermenge erfolgen. Sie gestattet dem Tierhalter Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit des Tränksystems oder auf die Qualität des eingesetzten Futters. Ein starker Rückgang des Wasserverbrauchs kann auf eine beginnende Krankheit hinweisen. In kleineren Betrieben ist die genaue Erfassung des Wasserverbrauchs eine Herausforderung, da die verbauten Wasseruhren für diese Betriebe oft zu ungenau sind. Genauere Ergebnisse erzielten Betriebe der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz bei Verwendung eines digitalen Hauswasserzählers. Der Betriebsleiter sollte sich bei der täglichen Kontrolle die Zeit nehmen, den Wasserverbrauch im Blick zu haben und auf nicht temperaturbedingte Schwankungen schnell reagieren.

  • Tränken reinigen

In Tränkeleitungen können sich Biofilme mit krankmachenden Keimen bilden, die bei den Tieren Verdauungsstörungen bis hin zu Darminfektionen verursachen können. Die Hennen stecken dann einen erheblichen Anteil ihrer körperlichen Ressourcen in die Abwehr gegenüber den Bakterien. Aufgrund dieses permanenten Stresses und einer schlechteren Verwertung der Nährstoffe neigen diese Tiere leichter zu Federpicken und Kannibalismus.

Daher ist es ist enorm wichtig die Tränkeleitungen stets gut zu spülen und sauber zu halten, damit sich kein Biofilm bildet. Dies erfolgt am besten mittels eines automatischen Reinigungssystems. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Ablagerungen aus der Tränke zu entfernen und neuem Biofilm vorzubeugen. Dazu zählt zum einen die reine Wasserspülung. Bessere Ergebnisse werden mit einem Elektrolysegerät erzielt. Geeignet sind zudem die elektromagnetische Reinigung oder die Reinigung mittels Ultraschall. Es empfiehlt sich, die Leitungen vor Einsatz eines automatischen Reinigungssystems mit einem Impulsspülgerät von den Ablagerungen zu befreien. Weil es sich bei Impulsspülgeräten um mobile Geräte handelt, können sie in mehreren Ställen eingesetzt werden.

Je nach Wasserqualität und gewähltem Reinigungsverfahren ist der zusätzliche Einsatz einer Wasserenthärtung empfehlenswert, da Kalkablagerungen der Technik insgesamt schaden (schnellerer Verschleiß) und der Biofilm an den Kalkablagerungen besser anhaften kann. Bei Elektrolyseverfahren sollte zusätzlich auch der Eisen- und Mangangehalt im Auge behalten werden. Ein Blick in die Tränkleitung mit einer Endoskop-Kamera verschafft Sicherheit über den Verschmutzungsgrad.

  • Einbau von höhenverstellbaren Tränkelinien

Höhenverstellbare Tränkelinien in der Junghennenaufzucht unterstützen eine gute, leichte und gleichmäßige Wasseraufnahme der Tiere. Sie bieten die Möglichkeit, an das Alter und die Größe der Junghennen angepasst zu werden. Dies trägt unter anderem dazu bei, dass die Tiere alle Bereiche des Stalles gleichmäßig nutzen und somit die Besatzdichte entzerrt wird. Darüber hinaus wird vermieden, dass Wasser auf den Stallboden beziehungsweise auf die Plateaus in den Etagen spritzt (und sich im Spritzwasser schädliche Keime vermehren).

Einsatz von Zusatzfutter als Beschäftigungsmaterial

Futter dient nicht nur der Versorgung mit Energie und Nährstoffen. Mit der Futteraufnahme können die Tiere im Idealfall auch ihr Futtersuch- und -aufnahmeverhalten befriedigen und zudem benötigte Rohfaser in Form von Raufutter aufnehmen. Den Tieren sollten zudem Mineralstoffe angeboten werden, damit sie den individuellen Bedarf besser decken können und eine Möglichkeit haben auf Schwankungen im Mineralstoffgehalt des Futters zu reagieren. Folgende Maßnahmen können dazu beitragen Federpicken und Kannibalismus zu vermeiden und bieten den Tieren zusätzliche Beschäftigung.

  • Zusätzliche Rohfasergaben

Die zusätzliche Gabe von Raufutter in Form von Heu, Luzerne, Stroh oder Maissilage hat im Hühnerstall gleich mehrere Vorteile. Die Rohfaser im Futter gibt Struktur und sorgt dafür, dass der Nahrungsbrei den Verdauungstrakt langsamer passiert. Nützliche Darmbakterien haben mehr Zeit zum Aufspalten und Verwerten der Nährstoffe. Gleichzeitig wirken sich erhöhte Rohfasergehalte im Futter, vor allem in der Aufzucht, positiv auf die Entwicklung des Verdauungstrakts aus – der Darm dehnt sich aus, die Futteraufnahmekapazität steigt. Hinzu kommt, dass die Tiere mit der Aufnahme von Raufutter länger beschäftigt sind, was das Risiko für das Auftreten von Verhaltensstörungen mindern kann.

  • Briketts, Cobs und Pellets

Raufutter in gepresster Form beschäftigt Jung- und Legehennen besonders intensiv und langanhaltend. Es kann in Form von Briketts in Futterkörben im Stall platziert oder in Form von Cobs oder Pellets direkt in die Einstreu gegeben werden. Beim Bepicken des Materials wird das natürliche Futtersuch- und Futteraufnahmeverhalten angeregt, gleichzeitig nutzen die Tiere ihren Schnabel ab.

  • Körnergabe in die Einstreu

Ganze Körner sind Rohfaserträger mit einer positiven Wirkung auf den Verdauungstrakt. Sie regen die Hennen darüber hinaus zur Futtersuche an und bedienen ihren Erkundungstrieb. Körnergaben sollten die Hennen jedoch erst am Nachmittag erhalten, damit sie am Vormittag genug Futter aufnehmen und nicht bei der Eiablage gestört werden. Wichtig ist, dass das eingesetzte Futter – zum Beispiel Hafer, Grünmehlpellets oder spezielles Ergänzungsfutter – in der Berechnung der Ration berücksichtigt wird. Weizen sollte eher nicht eingesetzt werden, da er so attraktiv für die Tiere ist, dass die Reaktion auf das Streuen von Weizen vor allem in großen Ställen so stark sein kann, dass es zu Verletzungen der Tiere kommen kann.

  • Picksteine

Mithilfe von Picksteinen können sich die Tiere im Bedarfsfall mit verschiedenen Mineralien, Salz, Calcium, Magnesium oder Siliziumdioxid versorgen. Zudem können sie durch das Bepicken der Steine ihrem Pickbedürfnis nachkommen und ihren nachwachsenden Schnabel abnutzen.

  • Gabe von Magensteinchen (Grit)

Magensteinchen (Grit) helfen beim Zermahlen und der Zerkleinerung der Nahrung im Muskelmagen der Hühner und beeinflussen die Kapazität der Futteraufnahme positiv. Sie verbessern die Darmgesundheit und helfen bei der Verdauung des zusätzlichen Raufutters (Vorbeugung von Kropfwicklern und von Magenverstopfung). Darüber hinaus dienen sie der Beschäftigung der Tiere und sollten von der ersten Lebenswoche an zur freien Aufnahme zur Verfügung gestellt werden.

  • Gabe von Muschelschalen

Muschelschalen (Austernschalenbruch) dienen der zusätzlichen Calcium-Versorgung insbesondere älterer Hennen und tragen zur besseren Knochengesundheit und Eischalenqualität bei. Gleichzeitig sind Muschelschalen ein attraktives Beschäftigungsmaterial.

Optimierung des Managements

  • Siebkasten, Futtermitteluntersuchung, Vermeidung von Entmischungseffekten

Um eine optimale Versorgung mit Nährstoffen zu gewährleisten und um selektives Fressen zu vermeiden, sollte das Futter der Legehennen eine homogene Struktur mit möglichst wenigen sehr feinen und sehr groben Bestandteilen aufweisen. Eine solche Futterstruktur führt dazu, dass die Tiere die groben Bestandteile herausselektieren und die wertvollen feineren Bestandteile, in denen vor allem die Aminosäure Methionin sowie die Mineralstoffe enthalten sind, nicht ausreichend aufnehmen. Die Struktur des Futters kann mit Hilfe eines Siebkastens oder Siebturms überprüft werden. Dies kann aber auch im Rahmen einer Futtermitteluntersuchung geschehen. Eine Futtermitteluntersuchung bezüglich der Nährstoffe oder der Mykotoxine sollte auch durchgeführt werden, wenn der Verdacht besteht, dass die Futtercharge Mängel aufweist. Um Entmischungseffekte im eigenen Betrieb zu vermeiden, kann ein Flachbodensilo eingesetzt werden, das dafür sorgt, dass das Futter gleichmäßig ohne Trennungseffekte in die Futterschnecke transportiert wird.

  • Fütterungszeiten und Futterfläche

Die optimalen Fütterungszeiten und Abstände können bei jeder Herde verschieden sein. Die hängt unter anderem von den Bedingungen in der Aufzucht, vom Futteraufnahmevermögen und von der Genetik ab. Die Füllstandhöhe der Futterkette ist wiederum von der Anzahl der benötigten Fütterungszeiten abhängig. Diese muss immer so angepasst werden, dass die feinen Bestandteile des Futters mindestens einmal am Tag ausgefressen werden. Bei 10 cm Trogseitenlänge pro Tier können vor allem bei braunen Tieren nicht alle Tiere gleichzeitig fressen. Durch eine niedrigere Besatzdichte kann die Futter- und Wasserfläche erhöht werden. Ist dies nicht möglich, kann durch eine Doppel- oder Blockfütterung bei der zweimal in kurzem Abstand hintereinander gefüttert wird, auch für die rangniederen Tiere der Zugang zu frisch einlaufendem Futter sichergestellt werden.