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MuD Tierschutz

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Demonstrationsbetriebe Herdenschutz: Erfahrungsaustausch aus der Praxis

Nachricht vom:

Erfahrungen aus verschiedenen Projekten zeigen, dass kollegialer Austausch von Praktikerinnen und Praktikern zur Wissensvermittlung effektiv und akzeptiert ist. Im MuD Tierschutz-Projekt „Herdenschutz in der Weidetierhaltung" baut der DVL ein Netzwerk von Demonstrationsbetrieben auf.

Schäferei Humpert - Foto: O. Humpert

Wissen - Dialog - Praxis

Die Teilnehmenden geben in einer kollegialen Beratung oder als Vortragende ihre Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis weiter. Neben Herdenschutzexpertinnen und -experten bezieht das Projekt die Betriebsleitenden in das Angebot zum Wissenstransfer ein.

Ob Einzäunung von schwierigen Geländestellen wie Bäche, Erfahrungen mit Zaunmonitoringsystemen oder das Freihalten von Weidezäunen: Mit den Praxisberichten in den kostenfreien Online-Schulungen ermöglicht die Projektförderung die kollegiale Weitergabe von Wissen.

Die Demonstrationsbetriebe zeigen, wie Herdenschutz für unterschiedliche Betriebstypen und Weidetierhaltungen möglich ist. Dafür nehmen weidetierhaltende, landwirtschaftliche Betriebe teil, die mindestens den vom jeweiligen Bundesland festgelegten Mindestschutz eingerichtet haben. Als Voraussetzung zur Teilnahme lassen sich die Mitarbeiterinnen des Projektes dies von den Herdenschutzberatenden in den Ländern bestätigen.

In einem ausführlichen Interview werden alle Maßnahmen des Betriebs in Bezug auf den Herdenschutz abgefragt: Zauntyp, Untergrabeschutz, Überkletterschutz, Weidetorsicherung, Zaunmonitoring, Mähtechnik, Herdenschutzhunde, Herdenmanagement, sonstige Besonderheiten, sowie sekundäre Herdenschutzmaßnahmen, wie Flatterbänder u.a.. Die Daten stehen kompakt mit einem kurzen Betriebsspiegel den Interessierten zur Verfügung.

Sachliche Kommunikation

Eine weitere Voraussetzung für die Aufnahme eines Betriebs ist auch das Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem DVL als Projektnehmer und ein sachlich-konstruktiver Kommunikationsstil. Gerade bei einem so emotional aufgeladenen Thema wie dem Schutz von Weidetieren vor Wölfen braucht es sachliche Beiträge, die in den Veranstaltungen vorgetragen werden. Inzwischen konnten sechzehn unterschiedliche Weidebetriebe aus neun Bundesländern für das Netzwerk gewonnen werden. Sie alle sind auf der Projekthomepage www.herdenschutz.dvl.org/demobetriebe beschrieben und engagieren sich im Rahmen des Projekts und darüber hinaus für den Herdenschutz und eine Koexistenz von Weidewirtschaft und Wolf.


Praxisbeispiele:

Schäferei Humpert
Die Schäferei Humpert aus Nordrhein-Westfalen ist ein kleiner Nebenerwerbsbetrieb mit alten gefährdeten Haustierrassen und beweidet Landschaftspflegeflächen von Kalkmagerrasen bis Moor. Sie hat sich ein ausgeklügeltes Herdenschutzkonzept überlegt: Betriebsleiterin Ortrun Humpert hat sowohl in Festzäune, als auch in höhere Mobilzäune investiert. Ihre vorhandenen 90 cm Zäune rüstet sie an bestimmten Stellen mit einer Breitbandlitze auf 1,20 m gegen Einsprung auf. Je nach Standort verwendet sie unterschiedliche Elektronetztypen, die die Elektrifizierung und damit eine hohe Spannung am besten gewährleisten. Darüber hinaus hält sie mehrere Teams von Herdenschutzhunden, die sie auch züchtet und ausbildet. In einer unserer Schulungen hat Frau Humpert als Referentin für Konzeption, Bau und Wartung von Zäunen in der Schafhaltung berichtet.

“Wir dürfen den Wolf nicht unterschätzen, brauchen aber auch keine Angst haben, mit Herdenschutzmaßnahmen können wir unsere Schafe konstruktiv schützen.“ Ortrun Humpert


Weiderind Böhmer
Der Betrieb „Weiderind Böhmer“ bewirtschaftet Bergweiden in der Fränkischen Schweiz. Seit 2016 hält Norbert Böhmer Herdenschutzhunde zum Schutz der Mutterkuhherden. 2021 konnte er mit Hilfe von Wikiwolves-Freiwilligen einen geförderten Festzaun von 14 km Länge aufbauen, um seine Simmentaler und Zwergzebu-Herden zu schützen. Eine besondere Herausforderung für den Betrieb ist die Sicherung von Bächen und Gräben durch Ketten und Spannungsentkoppler und das Freihalten der Zäune, das nicht überall maschinell möglich ist. In einer unserer Schulungen hat Herr Böhmer seine Technik zur Zäunung von Gewässern vorgestellt, er engagiert sich außerdem im EU-LIFE-Projekt Lifestockprotect.

„Die Weidetierhaltung ist eine Herzensangelegenheit. Deswegen engagiere ich mich für den Herdenschutz und der Austausch mit Kollegen ist mir wichtig.“ Norbert Böhmer

Online-Veranstaltungen:
https://www.herdenschutz.dvl.org/veranstaltungen
12.7.2022  Elektrozaun erden
13.9.2022  Tagung: Herdenschutz in der Rinderhaltung