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MuD Tierschutz

Ergebnisse des Abschlussberichts

Abschlussbericht "Minimierung von Federpicken bei Legehennen"

F√ľr das Projekt wurden insgesamt 21 Herden (acht √∂kologisch wirtschaftende Betriebe, sieben Freilandhaltungen, sechs Bodenhaltungen) mit intaktem Schnabel ausgew√§hlt, intensiv betreut und beraten. Die Herdengr√∂√üen bestanden aus 3.000 - 40.000 Tiere. Insgesamt waren 243.082 Tiere im Projekt eingebunden. Am Ende des Projektes konnten 16 Herden komplett abgeschlossen werden und f√ľnf weitere waren dar√ľber hinaus noch aktiv und wurden weitestgehend in die Abschlussauswertungen eingebunden.

Im Rahmen des Projektes fand eine intensive Zusammenarbeit der Tierschutz-Beraterin und den teilnehmenden Betrieben statt. Die Tierschutz-Beraterin besuchte pro Durchgang drei Mal die jeweilige Junghennenaufzucht und zehn Mal die Legehennenhaltung pro Durchgang. Begleitend zur einzelbetrieblichen Intensivberatung fanden Arbeitskreistreffen statt, in denen sich Legehennenhalter und Aufz√ľchter weiterbilden und vor allem vernetzen und austauschen konnten. Gewonnene Erkenntnisse wurden bei Seminaren, Vortragsveranstaltungen und Schulungen mit interessierten Fachkolleginnen und -kollegen geteilt.  Bestandteile der einzelbetrieblichen Intensivberatung waren umfangreiche Status-Quo-Erhebungen, in welchen Haltungsaspekte der Lichtgestaltung, F√ľtterung, Tiergesundheit, Einstreu- und Besch√§ftigungsmaterialien, Auslaufm√∂glichkeiten, Tiergewichte, biologische Leistungsdaten und Gefiederzustand erfasst wurden. Ein Beraterteam der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erarbeitete auf Grundlage der gewonnenen Daten Beratungsempfehlungen f√ľr die Betriebe, um die Haltung der unkupierten Jung- und Legehennen zu optimieren.

Ergebnisse der Junghennenaufzucht

In der Junghennenaufzucht wurden die Tiere in Volierenanlagen oder im offenen System (Nivo Varia Anlage) mit 3.000 - 40.000 Tieren pro Stall gehalten. Im Rahmen des Projektes wurde zwecks Eigenkontrolle empfohlen, w√∂chentlich zwei Wiegungen von 30 Einzeltieren zu praktizieren und die Tiergewichte mit Hilfe von Wachstumskurven zu beobachten. In den meisten Betrieben wurde das Gewicht der Tiere im Vorfeld nicht ausreichend erfasst und wies daher enormes Optimierungspotential auf. Die ermittelten Besatzdichten beliefen sich mit wenigen Ausnahmen im Rahmen der nieders√§chsischen Empfehlungen. Allerdings fehlte den Tieren teilweise ein Zugang zum Auslauf. Im Rahmen des Projektes wurde dazu angeregt, dass Legehennenhalter die Aufzuchtst√§lle ihrer zuk√ľnftigen Hennen besuchen, was sieben von zehn Landwirten taten. Ein solcher Besuch kann dazu dienen, die Haltungsbedingungen in Aufzucht und Legephase aufeinander abzustimmen und damit den Umstallungsstress zu vermindern. W√§hrend der Aufzucht wurden zwei F√§lle von Federpicken und Kannibalismus feststellt, welche jedoch einged√§mmt werden konnten.

Das Management rundum optimieren

Der Einsatz von Besch√§ftigungsmaterialien umfasste je nach Umsetzungsm√∂glichkeiten und Neigung der Betriebe den Einsatz von Luzerne, Heu, Stroh, Pickbl√∂cken, Weizengaben in die Einstreu, zus√§tzlichen Sandbadangeboten, B√§lle und K√ľkenpapier.

Im Rahmen der Klimadatenerfassung wurde besonderes Augenmerk auf CO2- und NH3-Konzentration sowie Luftfeuchtigkeit gelegt. Hinsichtlich der CO2-Konzentration und Luftfeuchtigkeit wurden keine bedenklichen Werte gemessen. Erhöhte NH3-Werte wurden in Nivo Varia Anlagen gemessen, da der Scharrraum in der Aufzucht nicht ausgemistet wurde und es teilweise nur zu unregelmäßigen Entmistungen kam.

In den Aufzuchtbetrieben wurden die gebr√§uchlichen Impfma√ünahmen ergriffen (u.a. Salmonellen, Marek, Gumboro, IB, ILT, EDS, Paracox/Kokzidien). In Freiland- und √Ėkobetrieben wurden Entwurmungen durchgef√ľhrt.

Die gängigen Tränkeeinrichtungen stellten Nippeltränken mit Cups oder Auffangschalen dar. Einige Betriebe praktizierten ein Wasserprogramm, bei welchem durch wechselndes Abschalten von Wasserlinien die Jungtiere angeleitet werden, andere Bereiche der Voliere aufzusuchen. Daten zum Wasserverbrauch wurden von den Betrieben zwar täglich abgerufen, aber nicht routinemäßig gespeichert. Einige Betriebe setzten dem Tränkwasser Laugen und/oder organische Säuren zu, um die Wasserhygiene und Darmstabilität zu steigern. Tendenziell wurden in der gesamten Aufzucht (Tag 1 bis 17. Lebenswoche) 8-10 Liter Wasser pro Tier verbraucht.

Das g√§ngigste F√ľtterungssystem stellte eine ad-libitum drei Phasen-F√ľtterung dar mit t√§glichem Leerfressen der Futterkette. Die Ausleuchtung der Aufzuchten gestaltete sich auf den Betrieben sehr unterschiedlich. H√§ufig wurden die geforderten 20 Lux nicht eingehalten. Vielfach genannte Gr√ľnde seitens der Tierhalter waren die mit dem dunkleren Licht einhergehenden ruhigeren Tiere und die Angst vor dem Ausbruch von Verhaltensst√∂rungen. Das Lichtprogramm der Betriebe gestaltete sich bei den meisten Betrieben nach dem gel√§ufigen Schema. Dabei wird mit einem intermittierenden Lichtprogramm von zwei Stunden Dunkelheit und vier Stunden Licht im Wechsel begonnen (bis max. 10. Lebenstag). Im Anschluss bekommen die Tiere zusammenh√§ngende Hell-/Dunkelphasen, die w√∂chentlich von 15 Stunden Licht auf neun Stunden Licht reduziert werden. Das Plateau von neun Stunden wird bis zur Umstallung gehalten. Eine langsamere Reduzierung des Lichttages h√§tte jedoch vorteilhaft sein k√∂nnen, da es den jungen, wachsenden Tiere mehr Zeit f√ľr die Futteraufnahme erm√∂glicht h√§tte. Aus Sicht des Projektes w√§re dies eine wichtige Ma√ünahme gewesen, damit die Tiere ihre Futteraufnahmekapazit√§t aussch√∂pfen und das geforderte erh√∂hte Tiergewicht erreichen k√∂nnen. Die Stimulation mittels Lichttagverl√§ngerung erfolgte erst nach der Umstallung in den Legehennenst√§llen. Auch dieser Zeitpunkt h√§tte aufgeschoben werden k√∂nnen, damit die Tiere neben der Eingew√∂hnung an das neue Stallsystem, Futter, Herdenbetreuer, etc. nicht noch mehr Stress durch die Lichttagverl√§ngerung erhalten. Auf Grundlage der Status-Quo-Analyse der Betriebe und der gewonnenen Erfahrungen wurde die Empfehlung abgeleitet die Legephase schonend einzuleiten und ‚ÄěQualit√§tsjunghennen‚Äú mit hohem K√∂rpergewicht und hoher Futteraufnahmekapazit√§t einzustallen. Wenn die Tiere schonend an den l√§ngeren Lichttag gew√∂hnt werden und die Legereife bei einem schwereren Tier verz√∂gert eintritt, fehlen zwar anfangs Eier in der produzierten Gesamtst√ľckzahl, es werden jedoch vermehrt Eier der Gewichtsklasse L produziert. Diese Strategie hat die positive Eigenschaft, dass die behutsam stimulierte Henne am Ende der Legeperiode nicht in ihrer K√∂rpersubstanz ausgereizt ist. Hennen, die unter stetigem Leistungsdruck stehen, k√∂nnen in ihrer K√∂rpersubstanz extrem abbauen, da sie nicht alles √ľber das Futter ausgleichen k√∂nnen. Nachdem die Tiere auch die letzten K√∂rperreserven an N√§hrstoffen in die t√§gliche Eiproduktion gesteckt haben, verenden sie stark untergewichtig. Die robusteren, anfangs ausgef√ľtterten Hennen legen vermutlich auch ohne Ausf√§lle durch Leistungsstress und N√§hrstoffdefizite bis zur Lebenswoche 82 stabile, gro√üe Eier, wenn das Management entsprechend gut ist und keine Probleme durch Krankheitseinbr√ľche auftreten. Die geschilderte Situation hat laut Projektnehmer den Nachteil, dass die schweren Eier (viel L-Ware) nicht in jeder Region optimal vermarktet werden k√∂nnen. Hinsichtlich der Stressminimierung im Stall und der Entwicklung einer robusten Henne mit hoher Produktions- und Lebenserwartung, sind Produzenten und Vermarkter gefragt umzudenken.

Checkliste und √úbergabeprotokoll f√ľr Qualit√§tsjunghennen

Im Rahmen des Projektes wurden die Umstallungsphasen vom Aufzuchtstall in den Legehennenstall m√∂glichst durch den Berater pers√∂nlich begleitet oder anhand von Daten nachvollzogen, um den Zustand der Tiere v.a. in dieser kritischen Phase zu √ľberwachen. Auffallend war, dass die Umstallungsphase keineswegs den nieders√§chsischen Empfehlungen entsprach. Teilweise wurden zwar Begleitscheine inklusive Angaben zu Lichtprogramm, Tiergewicht, etc. am Tag der Umstallung f√ľr die Legehennenhalter mitgegeben. In den meisten F√§llen fehlten jedoch Begleitscheine oder schriftliche Managementhilfen. Kontrolllisten f√ľr die √úbernahme von Junghennen fanden in der Praxis keine Anwendung. Die Transparenz mancher Aufzuchtunternehmen zeigte sich als mangelhaft und es kam zu Vermischungen von unkupierten mit kupierten Tieren oder zur √úbergabe von Tieren mit geringen K√∂rpergewichten, was u.a. vermuten l√§sst, dass Tiere aus unterschiedlichen Aufzuchten gemischt wurden.

Ergebnisse der Legehennenhaltung

Die Lichtgestaltung eines Legehennenstalls stellt ein wichtiges Managementinstrument dar, da eine ausreichende Helligkeit notwendig f√ľr ein gutes Tier-Management ist und eine angepasste Lichtsituation zur Stressreduzierung eingesetzt werden kann. Im Zusammenhang mit der Erhebung der Lichtst√§rken wurde die in Niedersachsen empfohlene St√§rke von 20 Lux auf Augenh√∂he der Tiere als kritisch angesehen und von Seiten des Projektnehmers angemerkt, dass aufgrund der Unterschiedlichkeit des Sehsinnes von Vogel und Mensch bei der Beurteilung von Licht im Stall ein auf die Tierart abgestimmtes Messverfahren erfunden werden m√ľsste.

Futteranalysen zeigen Mängel in Zukaufsfutter auf

Im Rahmen des Projektes wurden ‚ÄěJunghennenaufzuchtfutter‚Äú, ‚ÄěVorlegefutter‚Äú und ‚ÄěLegehennenalleinmehl 1‚Äú von 20 verschiedenen Futterm√ľhlen analysiert. Insgesamt wurden 62 Proben analysiert (36 konventionell, 26 √∂kologisch) und mit den jeweiligen Herstellerangaben verglichen. In Bezug auf Rohprotein lagen die Analysewerte auff√§llig h√§ufig unterhalb der angegebenen Werte. Die Rohfasergehalte entsprachen in 84 % der F√§lle den angegebenen Werten oder lagen dar√ľber. Der Energiegehalt konnte in 41 F√§llen verglichen werden und 56 % der Futtermittel wiesen niedrigere Werte auf als vom Hersteller angegeben sowie 44 % h√∂here Werte. Der Gehalt an Methionin lag bei 71 % der Futtermittel unter dem der Herstellerangabe. Bei Calcium erf√ľllten oder √ľbertrafen 59 % der Proben den deklarierten Gehalt. Einzelne Futtermittel √ľberschritten die angegebenen Werte um ein Vielfaches. Die Natriumgehalte waren im Rahmen der Angaben. Zusammenfassend ergab der Vergleich von Futteranalyseergebnissen mit den Herstellerangaben bei 19 % der Futtermittel einen Grund zur Beanstandung. Legehennenhalter sollten sich deshalb √ľber die tats√§chlichen N√§hrstoffgehalte ihrer zugekauften Futtermittel informieren, um ihre Tiere optimal ausf√ľttern zu k√∂nnen. Bez√ľglich Vermahlungsgrad ist Legemehl einem pelletierten Futter vorzuziehen. Hier ist darauf zu achten, dass das Legemehl nicht zu stark vermahlen sein sollte, um eine gute Futteraufnahme zu gew√§hrleisten. Hinsichtlich des Tr√§nkens der Tiere sollte stets eine hohe Wasseraufnahme angestrebt sowie die Qualit√§t und gute Hygiene des Tr√§nkwassers, ggf. durch Zus√§tze, sichergestellt werden.

Ein sehr guter Tiergesundheitszustand ist ein wichtiger Schl√ľssel zum Erfolg

Im Projektzeitraum wurden mehrfach St√∂rungen der Tiergesundheit beobachtet, welche als mit urs√§chlich f√ľr darauffolgende Ausbr√ľche von Federpicken und Kannibalsimus identifiziert wurden. Beispielshaft kam es in einer konventionellen Freilandhaltung zu Federfressen und Erdr√ľcken mit Tierverlusten. Untersuchungen ergaben, dass die Herde diverse Infektionen durchlebt hatte (E. coli, Schwarzkopfkrankheit, IB, Campylobacter) und dadurch geschw√§cht und gestresst waren.

Beschäftigungsmaterialien und Einstreu optimal einsetzen

Seitens Beratung wurde empfohlen, Einstreu- und Besch√§ftigungsmaterialien erst drei bis f√ľnf Stunden nach dem Einstallen zu verteilen, da dann bereits etwas Ruhe in die Herde eingekehrt ist und die Kr√∂pfe bereits mit Futter und Wasser gef√ľllt sind. Dies beugt einem Fressen von Einstreumaterialien vor, welches vorwiegend von Tieren gemacht wird, die vom Stress durch Transport und Umstallen geschw√§cht sind oder aber ein Anfliegen von Anflugstangen nicht gelernt haben.

Die Art der Einstreu sollte variabel sein. Generell sind kurze, harte Materialien weichen und saugf√§higen vorzuziehen. In den Projektbetrieben hat sich gezeigt, dass eine bedachte und zun√§chst zur√ľckhaltende Verteilung von Einstreu Vorteile bieten kann und gut zum Scharren und Sandbaden angenommen wird. Es zeigte sich, dass eine √ľber mehrere Zentimeter dicke, fl√§chendeckende Einstreu zwar vorerst gut angenommen wird, dann aber bei nicht ausreichender Pflege die Gefahr der Verklumpung und letztlich Plattenbildung besteht, was eine Nutzung durch die Hennen stark einschr√§nkt sowie zu vermehrter Keimbelastung f√ľhren kann.

Um die Aus√ľbung arteigener Verhaltensweisen der Hennen zu f√∂rdern und damit auch Verhaltensst√∂rungen vorzubeugen, sollten abwechslungsreiche Besch√§ftigungsmaterialien eingesetzt werden. Die Materialien sollten gewechselt werden und variabel sein, beispielsweise zu Pickbl√∂cken und Luzerne sollte auch Neues wie Saftfutter (z.B. M√∂hren) angeboten werden. Die Gabe von Materialien wie Luzerne hat sich in K√∂rben bew√§hrt, da sie lose im Scharrraum verteilt bereits nach kurzer Zeit in die Einstreu eingescharrt werden k√∂nnen. In den Projektbetrieben hat sich gezeigt, dass bei gro√üen Herden in Aufzucht- und Legehennenst√§llen weniger Besch√§ftigungsmaterialien pro Tierzahl eingesetzt wurde. Au√üerdem fand das Nachreichen und Wechseln nicht ausreichend statt. In gro√üen Herden sind daher auch technische L√∂sungen gefragt wie folgende Beispiele demonstrieren. In einem der Betriebe wurde ein Frontlader mit Futterverteilger√§t zur Verteilung von Maissilage und Kartoffeln zweimal w√∂chentlich eingesetzt. Ein anderer Betrieb baute eine F√∂rderstrecke ein, welche mehrmals t√§glich Maissilage von oben in den Stall einrieseln lie√ü.

Nur ein gestalteter Auslauf kann optimal genutzt werden

Oftmals werden Ausl√§ufe nicht optimal von den Tieren genutzt, da Legehennen in der Furcht vor Fra√üfeinden aus der Luft und fehlenden Schutzm√∂glichkeiten in den Ausl√§ufen dazu neigen, nur stallnahe Bereiche aufzusuchen. Eine Gestaltung von Ausl√§ufen durch Bepflanzungen mit Str√§uchern oder B√§umen hat sich daher bew√§hrt. Im Rahmen des Projektes wurde auch der Einsatz von Tarnnetzen erprobt, die auf Tr√§gerkonstruktionen angebracht wurden. Hierdurch konnte eine weite Nutzung der Ausl√§ufe durch die Legehennen gew√§hrleistet werden. Vor allem f√ľr Betriebe, in deren Ausl√§ufe noch keine Strukturelemente wie Str√§ucher oder B√§ume etabliert sind, zeigte sich der Einsatz von Schutzm√∂glichkeiten durch die Nutzung von Tarnnetzen als eine praktikable und g√ľnstige L√∂sung.

Tiergewichte √ľberwachen und Verluste reduzieren

Im Rahmen des Projektes hat sich gezeigt, dass der Zeitraum zwischen Umstallung (Lebenswoche 17) und Hochleistungslegephase (Lebenswoche 27) hinsichtlich der Gewichtsentwicklung besonders genau beobachtet werden muss. In dieser Phase haben die Legehennen besonders hohe Anspr√ľche aufgrund stetigem K√∂rperwachstum und der beginnenden Legereife. Gewichtsverluste durch Umstallen m√ľssen schnellstm√∂glich aufgeholt werden, was eine regelm√§√üige Gewichtsermittlung notwendig macht. Es wird empfohlen, in diesem Zeitraum Stichproben von 2x50 Tieren m√∂glichst w√∂chentlich zu wiegen, davon 50 Tiere aus vorderen Abteilen und 50 Tiere aus den hinteren Abteilen. Sp√§ter kann eine Wiegung im vierw√∂chentlichen Rhythmus erfolgen.

Die Betriebsdaten zu Tierleistungen, Verlusten und Abgangsursachen konnten im Zeitraum Lebenswoche 21-61 aufgrund vollst√§ndiger Datengrundlage verglichen werden. Grunds√§tzlich liefern alle Herden sehr gute Ergebnisse mit Eileistungen pro Durchschnittshenne von 262, 249 und 264 Eiern in der √Ėko-, Freiland- und Bodenhaltung mit einer Legeleistungen von 90,4 %, 86,3 % und 91,3 %. Die Verlusttraten der genannten Haltungsformen lagen bei 2,7 %, 6 % und 3,4 %. Ein Grund f√ľr die vergleichsweise hohen Leistungen der √Ėkobetriebe lag darin, dass diese bereits mehr Erfahrungen im Umgang mit unkupierten Legehennen hatten.

Auffallend bei allen Betrieben war, dass sich die Verlustraten im Zeitraum von Lebenswoche 61 bis zum Ende der Aufzeichnungen im Durchschnitt verdoppelten. In den letzten vier Wochen vor der Schlachtung waren in fast allen Herden keine Besch√§ftigungsmaterialien mehr vorhanden und Aufgabenbereiche wie die Pflege der Wasserhygiene oder das Abmisten wurden nicht mehr regelm√§√üig praktiziert. In einzelnen Herden haben diese Ver√§nderungen zu gegenseitigem Bepicken der Tiere gef√ľhrt. In Herden, in denen es bereits vorher zum Auftreten der Verhaltensst√∂rungen Federpicken gekommen war, waren Gefiedersch√§den massiver und Verletzungsraten h√∂her.

Gefiederzustand, Verletzungsraten und Zustand von Brustbeinen und Fußballen

Der jeweils letzte Besuch der Projektherden wurde dazu genutzt, um eine umfangreiche Bonitur des Gefieders vorzunehmen sowie Verletzungen und Ver√§nderungen der Fu√üballen und Brustbeine zu dokumentieren. Hierf√ľr wurde stets die exakte Anzahl an Hennen bonitiert, die bei den Besuchen zuvor gewogen wurden. Zudem wurden die Tiere aus denselben Stallbereichen gefangen wie bei den vorangegangenen Terminen, mit einer identischen Vorgehensweise der Stichprobenahmen (Stichprobenumfang 0,5-1 % der Projektherde). Hinsichtlich der Bonituren lagen folgende komplette Datens√§tze vor: Gefieder und Verletzungen: 7 x √Ėkohaltung, 5 x Freilandhaltung, 6 x Bodenhaltung; Zustand der Fu√üballen: 7 x √Ėkohaltung, 5 x Freilandhaltung, 6 x Bodenhaltung. Die Auswertung der Gefiederbonituren ergaben, dass die besten Ergebnisse in der √∂kologischen Haltung erzielt wurden (Gefiedernoten : Note 0 = 28 %, Note 1 = 59 %, Note 2 = 9 % und Note 3 = 3 %), gefolgt von Freilandhaltung (Note 0 = 31 %, Note 1 = 45 %, Note 2 = 13 %, Note 3 = 11 %) und der Bodenhaltung (Note 0 = 4 %, Note 1 = 29 %, Note 2 = 25 %, Note 3 = 41 %).

Hinsichtlich der Verletzungen  von Tieren zeigte sich, dass auch hier die √∂kologischen Betriebe die besten Noten aufwiesen, gefolgt von Freilandhaltung und Bodenhaltung (√∂kologische Haltung: Note 0 = 96 %, Note 1 = 3 %, Note 2 = 1 %, Note 3 = 0 %; Freilandhaltung: Note 0 = 93 %, Note 1 = 5 %, Note 2 = 1 %, Note 3 = 1 %; Bodenhaltung: Note 0 = 73 %, Note 1 = 21 %, Note 2 = 5 %, Note 3 = 1 %).

Eine Fu√üballenbonitur wurde zus√§tzlich aufgrund der Tierschutzrelevanz bei jedem Boniturtermin durchgef√ľhrt, obwohl die Fu√üballengesundheit nicht in Verbindung mit Federpicken und Kannibalismus steht. Die besten Ergebnisse bez√ľglich der Zust√§nde der Fu√üballen  wiesen die √∂kologischen Betriebe auf (Note 0 = 92 %, Note 1 = 8 %, Note 2 = 1 %), gefolgt von Bodenhaltung (Note 0 = 93 %, Note 1 = 7 %, Note 2 = 0 %) und Freilandhaltung (Note 0 = 86 %, Note 1 = 14 %, Note 2 = 0 %).

Brustbeinbonituren  wurden bei elf Betrieben durchgef√ľhrt. Es zeigte sich, dass nur 75 % √ľber alle drei Haltunsgformen hinweg Note 0 ‚Äěohne Befund‚Äú, aufwiesen. Beste Ergebnisse erzielte die Freilandhaltung (Note 0 = 80 %, Note 1 = 13 %, Note 2 = 4 %, Note 3 = 4 %), gefolgt von √∂kologischer Haltung (Note 0 = 62 %, Note 1 = 23 %, Note 2 = 9 %, Note 3 = 5 %) und Bodenhaltung (Note 0 = 75 %, Note 1 = 10 %, Note 2 = 8 %, Note 3 = 8 %). Bei allen Haltungsformen besteht daher Optimierungsbedarf.

Anm.:

[1] Gefiederzustand: Note 0 = ohne Befund, Gefieder vollst√§ndig intakt; Note 1 = Gefiedersch√§den und fehlende Federn deutlich erkennbar; Note 2 = Gefiedersch√§den und fehlende Federn massiv erkennbar; Note 3 = √ľberwiegend nackt

[2] Verletzungen: Note 0 = ohne Befund; Note 1 = einzelne Verletzungen < 0,5 cm; Note 2 = auffallend viele Verletzungen < 0.5cm, oder > 0,5 cm bis 1 cm; Note 3 = Verletzungen √ľber 1 cm

[3] Fußballen: Note 0 = ohne Befund; Note 1 = leichte bis mäßige Veränderungen vorhanden; Note 2 = schwere Veränderungen vorhanden

[4] Brustbeinbonitur: Note 0 = ohne Befund; Note 1 = Verkr√ľmmung; Note 2 = leichte Fraktur; Note 3 = Fraktur

Zum Schluss

Anhand der im Projekt gewonnenen Erkenntnisse wurden die vielf√§ltigen multifaktoriellen Ausl√∂ser f√ľr Verhaltensst√∂rungen, Federpicken und Kannibalismus zu den wichtigsten Themenkomplexen zusammengefasst (Schaubild). Wenn eine Qualit√§tsjunghenne vorausgesetzt wird, das F√ľtterungskonzept verdauungsphysiologisch angepasst ist, die Tiere gesund sind und Besch√§ftigungsmaterial zur Aus√ľbung unterschiedlichster Verhaltensweisen angeboten wird, besteht die Chance, Herden mit intaktem Schnabel ohne Einschr√§nkungen im Verhalten und in den biologischen Leistungen zu halten. Dabei sind das Management und die Tierbetreuung von gro√üer Bedeutung, da Probleme wie ein Krankheitseinbruch oder eine Futterfehlmischung am Verhalten der Tiere fr√ľhestm√∂glich identifiziert werden muss, um Verhaltensst√∂rungen abzuwenden.

Unter dem Motto ‚ÄěLernen von den Besten‚Äú haben sich f√ľr die Teilnahme an dem Projekt ausschlie√ülich nur die Betriebe freiwillig verpflichtet, die bereits gute Voraussetzungen boten ein Management unkupierter Legehennen erfolgreich umzusetzen. Anfangs (2014) war die Skepsis hinsichtlich des Projektes und dessen Relevanz f√ľr die Praxis seitens der Landwirte gro√ü. In durchgef√ľhrten Arbeitskreisen wurde immer wieder deutlich, wie gro√ü die Nachfrage nach kompetenter Betreuung und Beratung zum Thema Jung- und Legehennenhaltung allgemein und speziell zum Thema Ausstieg aus dem Schnabelk√ľrzen ist. Die Landwirte m√ľssen sich zuk√ľnftig mehr um ihre Tiere und um das Stallmanagement k√ľmmern. Eine Sensibilisierung der Menschen bez√ľglich der Notwendigkeit dieser Tatsache muss noch in vielen Betrieben erfolgen. Erfreulicherweise hat die Nutzung der Checkliste und des Junghennenprotokolls zu einer vermehrten Zusammenarbeit zwischen Jung- und Legehennenhaltern gef√ľhrt. Auch Futtermittelunternehmen w√§ren bereit, √Ąnderungen in den Futtermischungen durchzuf√ľhren, wenn die Mehrleistungen entlohnt werden w√ľrden. Laut Projektnehmer bringt der √∂konomische Aspekt jedoch jede Argumentation hinsichtlich eines m√∂glichen Erfolgskonzepts ins Stocken. Der Mehraufwand f√ľr die Aufzucht von Qualit√§tsjunghennen l√§ge (zuk√ľnftig) bei mindestens 20 Cent je Henne. Der Legehennenhalter m√ľsste in der Legeperiode mehr Geld f√ľr Besch√§ftigung, eine angepasste F√ľtterung und einen erh√∂hten Arbeitsaufwand einplanen. Die M√∂glichkeiten der Legehennenhalter sind ohne Entlohnung des Mehraufwands jedoch sehr beschr√§nkt, auch regelm√§√üige Mehrinvestitionen zu t√§tigen, wenn Eierpreise nicht entsprechend angeglichen werden. Daher sieht der Projektnehmer den Handel in der Verantwortung, nicht nur aktiven Tierschutz zu fordern, sondern diesen auch durch geringf√ľgig erh√∂hte Eierpreise, um 0,3 Cent pro Ei, zu unterst√ľtzen.

Dokumenttitel: Abschlussbericht zur Minimierung von Federpicken und Kannibalismus bei unkupierten Legehennen

Dokumentbeschreibung: Der Abschlussbericht gibt betriebsindividuelle Beratungsempfehlungen f√ľr die teilnehmenden Betriebe.

Dokumenttyp: PDF | Dokumentgr√∂√üe: 6 MB