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Schweine

Ergebnisse

Mehr Tierwohl, aber höhere Kosten

Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen wirkt sich deutlich positiv auf die so gehaltenen Tiere aus, allerdings steigt der Managementaufwand und die Haltung verteuert sich, vor allem aufgrund des erhöhten Platzbedarfs.

Am Modell- und Demonstrationsvorhaben „Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen“ nahmen fünf Betriebe aus Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg teil. Die Betriebsleiter sind sich darin einig, dass ihre Maßnahmen zu mehr Tierwohl geführt haben: die Tiere haben mit einem größeren Platzangebot in der Gruppe auch mehr Bewegung und mehr Sozialkontakte. Allerdings sind die Kosten für die Gruppenhaltung höher als in der Einzelhaltung von Sauen mit ihren Ferkeln.

Umbaulösungen überwiegen im Projekt

Ziel des Projektes war es, praxistaugliche Lösung für die Gruppenhaltung ferkelführender Sauen zu entwickeln und ihre Auswirkungen auf die Sauen und die Ferkel zu betrachten. Die Aufenthaltsdauer der Sauen im Ferkelschutzkorb bzw. in der Bewegungsbucht sollte verringert und der Tierschutz sowie die Tiergesundheit der Sauen erhöht werden. Die Betriebe wählten ganz unterschiedliche Lösungen, um die Gruppenhaltung der ferkelführenden Sauen umzusetzen.

Betrieb A, C und D, alles konventionell wirtschaftende Ferkelerzeuger, bauten leerstehende Altgebäude um (A und C) oder gestalteten ein separates Abferkelabteil so, dass es sich fĂĽr die Gruppenhaltung eignete (D). In allen drei Betrieben ferkelten die Sauen in Einzelhaltung im Ferkelschutzkorb ab. Die Gruppenhaltungsphase begann meist nach dem zehnten Lebenstag der Ferkel. Betrieb B, der ökologisch wirtschaftet, baute einen neuen Abferkelstall, in dem die Ferkel die ersten Lebenstage mit ihren MĂĽttern in Bewegungsbuchten verbringen. Als Stall fĂĽr die Gruppenhaltung wird der ehemalige Abferkelstall genutzt, in dem der Betriebsleiter bereits vor dem Projekt (nicht zufriedenstellende) Erfahrungen mit dem freien Abferkeln in der Gruppe gesammelt hatte. Betrieb E, ebenfalls ökologisch wirtschaftend hat lediglich UmbaumaĂźnahmen beispielsweise an den Ferkelnestern vorgenommen. Die Sauen ferkeln hier in einer Einzelbucht mit separatem Auslauf ab und werden später jeweils mit einer anderen Sau und ihren Ferkeln in eine Gruppenhaltungsbucht umgestallt.  

Platzbedarf

Für die Gruppenhaltung ferkelführender Sauen wird deutlich mehr Platz benötigt, so dass die Anzahl der Abferkelplätze gegenüber bisherigen Systemen verringert werden muss. Die Fläche für den Aktivitätsbereich ist in den vorhandenen Konzepten der Abferkelställe häufig nicht vorhanden. Alle Um- sowie Neubauten in diesem Netzwerk belegen, dass die uneingeschränkt nutzbare Fläche je Tier ansteigen muss. Das hat zur Folge, dass die Tierzahlen im jeweiligen Betrieb zu reduzieren sind oder neue Abferkelställe gebaut werden müssen, wenn ein Betreib ein solches System gesamtbetrieblich nutzen will.

Mehr Platz nötig

Nicht nur die gewählten Varianten der Gruppenhaltung der ferkelführenden Sauen waren von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich, auch die Durchgänge, die in die Bewertung einflossen, waren in der Zahl verschieden und wurden nicht zuletzt vom Tempo der Umsetzung der Umbau- bzw. Neubaumaßnahmen bestimmt. Im Betrieb A wurden sieben Durchgänge in der Gruppensäugebucht erfasst. Ähnlich wie beim Betrieb D gab es bei fünf von sieben Durchgängen eine Kontrollgruppe mit Einzelhaltung und Ferkelschutzkorb, um die Ergebnisse der Gruppensäugebucht besser einordnen zu können. Je Gruppe wurden 6 Sauen in das neu gestaltete Abteil eingestallt. Im Betrieb B durchliefen 29 Sauen in 6 Durchgängen die Gruppenhaltung. Dabei variierte die Gruppengröße zwischen 3 und 6 Tieren je Gruppe. Im Betrieb C flossen ausschließlich Daten von den 10 Durchgängen ein, die mit drei Sauen pro Gruppensäugebucht abliefen (zu Beginn waren sechs Sauen pro Gruppensäugebucht vorgesehen). Um eine praxisnahe Auswertung zu erzielen, wurden im Betrieb D bewusst alle Altersklassen der Sauen berücksichtigt.

Ferkelverluste

Bei den Ferkelverlusten ergab sich ebenfalls ein differenziertes Bild von Betrieb zu Betrieb (siehe Tabelle 1). Bei Betrieb A lag die Anzahl der lebendgeborenen Ferkel in der Gruppensäugebucht (14,6 Ferkel/Wurf) über dem Wert der Kontrolltiere (14 Ferkel/Wurf). Auch bei den abgesetzten Ferkeln hatten die Sauen aus der Gruppenhaltung im Abferkelbereich 0,5 Ferkel/Wurf mehr (13 zu 12,5 Ferkel/Wurf). Bei den Saugferkelverlusten war ein leichter Vorteil bei der Einzelhaltung zu erkennen, welche ab dem 10. Laktationstag keine verendeten Ferkel mehr zu verzeichnen hatten. In der Gruppenhaltung verendeten nach der Gruppierung noch 0,3 Ferkel/Wurf.

Höhere Ferkelverluste in fast allen Betrieben

Im Betrieb B ist die Anzahl der lebend geborenen Ferkel um rund zwei Ferkel pro Wurf auf 13,1 (11,2 vor Projektbeginn) gestiegen. Gleichzeitig hat sich auch die Anzahl der abgesetzten Ferkel auf 10,3 (zu 9,5 vor Projektbeginn) erhöht, während die Saugferkelverluste mit der Einführung der Einzelabferkelung nach der Zwischenevaluierung reduziert werden konnten. Der Betrieb hatte vor dem Neubau des Abferkelstalls eine Gruppenabferkelung mit deutlich höheren Ferkelverlusten (18,54 %).

Im Betrieb C wurden Daten der Einzelhaltungen dokumentiert und dem Gruppensäugen gegenübergestellt. Alle zehn Durchgänge variierten in der Anzahl der Ferkelverluste, insbesondere nach dem Mischen, sehr stark und verbunden damit dann ebenfalls in der Anzahl der abgesetzten Ferkel pro Wurf. Die Würfe variierten zwischen 9 und 14 abgesetzte Ferkel/Wurf. Über alle Durchgänge gesehen war die Zahl der Ferkelverluste vor dem Mischen mit durchschnittlich 2,1 Ferkelverluste/Wurf fast identisch mit den Ergebnissen in der Einzelhaltung. Nach dem Mischen der Ferkel in der Gruppensäugebucht verendeten hier im Schnitt weitere 1,3 Ferkel, wohingegen in der Einzelhaltung mit Ferkelschutzkorb nur 0,5 Ferkel starben. Die Saugferkelverluste in der Gruppe erstrecken sich in allen Durchgängen von 0 bis 3,0 Ferkel pro Wurf. Den höchsten Wert mit 3,0 Ferkeln pro Wurf erreichte eine Gruppe mit Jungsauen.

Im Betrieb D konnte in punkto Ferkelverluste ein klarer Unterschied zwischen der Einzelhaltung und dem Gruppensäugen festgestellt werden. Während bei der Fixierung der Sau im Ferkelschutzkorb 0,3 Ferkel ab dem 10. Lebenstag verendeten, war es in der Gruppensäugebucht 1,0 Ferkel je Sau. Als Grund für die höheren Verluste nach Beginn der Gruppenhaltung kann die Gestaltung der Gruppenbucht angenommen werden: Die Buchten befanden sich in einer Reihe nebeneinander. Der dahinter gelegene Gang diente als Gemeinschaftsfläche und schien zu eng zu sein, sodass es vermehrt zu Erdrückungsverlusten kam.

Ferkelverluste variieren stark

Die Zahlen zu den Ferkelverlusten variierten bei den teilnehmenden Betrieben zum Teil stark von Durchgang zu Durchgang. Besonders die Jungsauengruppen schnitten hinsichtlich der Ferkelverluste schlecht ab. Auffallend ist, dass die Zahlen zur Zwischenevaluierung zum Teil schlechter waren als bei der Endevaluierung. Daraus lässt sich schließen, dass sich bei den Betriebsleitern während der Projektlaufzeit ein deutlicher Lerneffekt beim Umgang mit dem neuen Haltungssystem eingestellt hat. Dennoch stehen die höheren Ferkelverluste in fast allen Betrieben in Zusammenhang mit einem erhöhten Managementaufwand, einer dauerhaften Umsetzung entgegen. Alle Betriebsleiter sind sich einig, dass die anfängliche Prägungsphase der Ferkel in den ersten 10 Lebenstagen nicht in Form einer Gruppenabferkelung, sondern in Einzelabferkelbuchten (Ferkelschutzkorb oder Bewegungsbucht) stattfinden sollte, um die Anzahl der Ferkelverluste so gering wie möglich zu halten. Es kann dabei allerdings keine besondere Empfehlung für ein ein- oder zweistufiges System mit oder ohne Umstallung gegeben werden.

Mehrkosten

Alle Betriebe hatten Mehrkosten durch Investitionen bei Neu- und Umbauten fĂĽr die Gruppenhaltung zu verzeichnen (siehe Tabelle 2). Betrieb A investierte fĂĽr den Ausbau der Buchten in einem Altgebäude 66,25 € je Wurf bzw. 4,91 € je Ferkel. Die höchsten Mehrkosten fĂĽr Investitionen hatte Betrieb B, bei dem der Abferkelstall komplett neu gebaut und darĂĽber hinaus die bereits bestehende Gruppenhaltung optimiert wurde, mit 114,72 €/Wurf bzw. 10,19 €/Ferkel. Die niedrigsten Mehrkosten fĂĽr Investitionen hatte der Betrieb C mit 28,26 €/Wurf bzw. 2,22 €/Ferkel, da auf dem Betrieb ein bisher ungenutztes Abteil (unter Einsatz hoher Eigenleistung) saniert und neu eingerichtet werden konnte. Betrieb D nutzte ein altes Abferkelabteil fĂĽr den Umbau und hatte Mehrkosten von  48,73 €/Wurf bzw. 4,35 €/Ferkel. Die Umsetzung der MaĂźnahmen auf den Betrieben variierte zwischen hohem Einsatz in Form von Eigenleistungen und dem Kauf von Systemen zur Gruppenhaltung. Ein direkter Vergleich der Kosten ist vor diesem Hintergrund nicht möglich bzw. nicht sinnvoll.

Kosten fĂĽr Futter gestiegen

In allen Betrieben sind die Kosten fĂĽr Futter gestiegen. Die erhöhte Futteraufnahme war in den konventionell arbeitenden Betrieben wahrscheinlich auf eine erhöhte Aktivität und die Möglichkeit der gemeinsamen Futteraufnahme der Sauen zurĂĽckzufĂĽhren. Im Betrieb A betrugen die Mehrkosten fĂĽr das Futter 8,33 €/Wurf bzw. 0,62 €/Ferkel. Im Betrieb B waren die deutlich niedrigeren Ferkelverluste und ein entsprechender Mehrbedarf bei den laktierenden Sauen grundlegend fĂĽr die höheren Futterkosten. Der Betrieb hatte die höchsten Mehrkosten mit 26,11 €/Wurf bzw. 2,29 €/Ferkel. Allerdings ist zu bedenken, dass dieser Betrieb nach Naturland-Richtlinien wirtschaftet und das Futter deutlich teurer ist als konventionelles Sauen- und Ferkelfutter. Im Betrieb C lagen die Mehrkosten bei 5,26 €/Wurf bzw. 0,41 € je Ferkel. Die niedrigsten Mehrkosten hatte der Betrieb D mit 2,96 €/Wurf bzw. 0,26 €/Ferkel.  

Höhere Saugferkelverluste kosten Geld

In zwei der konventionellen Betriebe entstanden Mehrkosten durch erhöhte Saugferkelverluste nach Beginn der Gruppenhaltung im Vergleich zu statusgleichen Sauen in der Einzelhaltung im Ferkelschutzkorb. Die Saugferkelverluste variierten mitunter von Durchgang zu Durchgang. Für den Betrieb D lagen die Mehrkosten bei 9,39 €/Wurf bzw. 0,85 €/Ferkel und für Betrieb A bei 3,76 €/Wurf bzw. 0,28 €/Ferkel. Für die Betriebe B und C entstanden dagegen in den betrachteten Durchgängen Minderkosten durch geringere Saugferkelverluste: Beim Betrieb C lagen die Minderkosten bei -5,63 €/Wurf bzw. -0,40 €/Ferkel im Vergleich zu statusgleichen Sauen. Für den Betrieb B entstanden Minderkosten durch deutlich niedrigere Saugferkelverluste über die gesamte Säugezeit. Diese lagen bei -83,70 €/Wurf bzw. -7,79 €/Ferkel, was fast drei Viertel der Investitionskosten im Betrieb auffangen würde. Dies ist zum einen auf geringere Verluste in der neu geschaffenen Einzelabferkelung (ohne Ferkelschutzkorb), zum anderen auf eine gesteigerte Vitalität der Ferkel in der Gruppenhaltung zurückzuführen. Zu beachten ist dabei jedoch, dass für den Betrieb B als Naturland-Betrieb für die Berechnungen ein höherer Ferkelpreis als für die konventionellen Betriebe angesetzt wurde.

Arbeitszeitaufwand

Für fast alle Betriebe ergaben sich Mehrkosten durch einen gestiegenen Arbeitszeitaufwand gegenüber der Einzelhaltung. Betrieb C hatte als einziger Betrieb Minderkosten von -10,94 €/Wurf bzw. -0,85 €/Ferkel, weil er Arbeitszeit bei der täglichen Tierkontrolle einsparen konnte. Von den anderen Betrieben wies Betrieb A mit 86,82 €/Wurf bzw. 6,43 €/Ferkel die höchsten Mehrkosten für den Arbeitszeitaufwand auf. Betrieb B bezifferte die Mehrkosten für den Arbeitszeitaufwand auf 11,33 €/Wurf bzw. 1,01 €/Ferkel, hauptsächlich durch Einstreuarbeiten in den Ausläufen der Einzelabferkelung verursacht. Beim Betrieb D lag der Mehraufwand für die Arbeitszeit bei 58,82 €/Wurf bzw. 5,21 €/Ferkel. Hier schlugen der höhere Zeitaufwand für tägliche Arbeiten der Tierbeobachtung, Fütterung und Kontrolle der Fütterungs- und Tränkeanlagen zu Buche.

Gesamtmehrkosten fallen unterschiedlich aus

Insgesamt lagen die Mehrkosten für Investitionen, Sauenfutter, Saugferkelverluste und Arbeitszeitaufwand zwischen 16,95 €/Wurf bzw. 1,37 €/Ferkel für den Betrieb C und 165,16 €/Wurf bzw. 12,24 €/Ferkel für den Betrieb A. Der Betrieb C hatte die niedrigsten Investitionskosten je Wurf und Ferkel und konnte gleichzeitig in der neuen Gruppenhaltung Arbeitszeit einsparen. Beim Betrieb A wurden umfangreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt, gleichzeitig war der Arbeitsaufwand in der Gruppenhaltung höher als in der Einzelhaltung zu Beginn des Netzwerks. Wie bereits erläutert, sollten beim Vergleich aller Ergebnisse die unterschiedlichen Ausgangsniveaus und Haltungsformen berücksichtigt werden.

Ăśbertragbarkeit auf andere Betriebe

Eine Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf andere Betriebe halten sowohl die MuD-Betriebe als auch die Beratung des Tierschutz-Kompetenzzentrums grundsätzlich für gegeben. Eine Übertragbarkeit der Maßnahmen auf andere Betriebe wird von den Betrieben überwiegend nur im Zusammenhang mit Neubauten oder kompletten Umbauten von Ställen gesehen, um dem erhöhten Platzbedarf und z. B. der empfohlenen Gangbreite für die Sauen Rechnung zu tragen. Das bedeutet jedoch einen höheren finanziellen Aufwand für Neubauten mit Gruppenhaltungsbuchten als bei herkömmlichen Ställen. Alternativ wäre es auch möglich, in bestehenden Betrieben mit geringeren Umbaumaßnahmen die Tierzahlen zu verringern. Das würde allerdings eine Erhöhung der Wertschöpfung pro Tier erfordern.

Die sehr unterschiedliche und vielfältige modellhafte Umsetzung des Netzwerkes auf den fünf Betrieben ermöglicht eine breite Darstellung verschiedener Verfahren, das Gruppensäugen in der Praxis umzusetzen. Zusammenfassend sind sich die Betriebsleiter darin einig, dass ihre Maßnahmen insgesamt erfolgreich waren und zu mehr Tierwohl geführt haben. Ihnen ist bewusst geworden, dass die Tiere mit einem größeren Platzangebot in der Gruppe mehr Bewegung und mehr Sozialkontakte haben und dass die Gruppenhaltung auch zu einem geringeren Absetzstress bei den Ferkeln führt. Zudem schlägt sich ein „Kindergarten“ für Ferkel positiv in der Außenwirkung der Betriebe nieder. Deshalb wollen die MuD-Betriebe ihre Maßnahmen auch nach Netzwerkende überwiegend weiterführen und noch fehlende Installationen realisieren. Darüber hinaus arbeiten sie mit ihren Stalleinrichtungsfirmen weiter an der Optimierung der Bedingungen in den Gruppenhaltungsbuchten. Ein Betrieb plant zudem den Bau eines neuen Abferkelstalls.