Springe zum Hauptinhalt der Seite

Schweine

Management

Management der Sauen und Ferkel beim Gruppens├Ąugen

Die Gruppenhaltung von ferkelf├╝hrenden Sauen wird in der Praxis bisher nur selten umgesetzt. F├╝nf Betriebe der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz haben zweieinhalb Jahre lang Erfahrungen damit gesammelt. Damit das Gruppens├Ąugen gelingt, m├╝ssen im Management einige Dinge ber├╝cksichtigt werden.

F├╝nf Betriebe aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-W├╝rttemberg haben im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz die Gruppenhaltung ferkelf├╝hrender Sauen in einzelnen Stallabteilen ausprobiert. Hierf├╝r wurden verschiedene Umbau- oder Neubaul├Âsungen gew├Ąhlt. Allen L├Âsungen ist eins gemeinsam: Die Sauen werden bereits vor der Geburt gruppiert, ferkeln aber in Einzelhaltung ab und werden fr├╝hestens nach einer Woche in die Gruppe gelassen. Die ersten Tage sind wichtig, um die Bindung zwischen der Sau und den Ferkeln zu festigen. Das entspricht dem nat├╝rlichen Verhalten der Tiere, die sich in freier Natur ebenfalls zum Abferkeln zur├╝ckziehen und erst nach etwa zehn Tagen in den Herdenverband zur├╝ckkehren. Ein freies Abferkeln in der Gruppe war ausdr├╝cklich nicht Ziel des Projektes.

Voraussetzungen f├╝r erfolgreiches Gruppens├Ąugen

Die Basis f├╝r eine erfolgreiche Gruppenhaltung von ferkelf├╝hrenden Sauen wird bereits im Stallbereich der tragenden Sauen gelegt. Die Sauen, die sp├Ąter eine Gruppe bilden sollen, sollten sich schon kennen und bereits eine stabile Rangordnung gebildet haben. Ein weiterer Punkt ist bei der Gruppenbildung unbedingt zu ber├╝cksichtigen: Die Sauengruppen sollten hinsichtlich K├Ârperkondition, Milch- und Aufzuchtleistung m├Âglichst homogen sein. So wird sichergestellt, dass alle Ferkel gut versorgt werden k├Ânnen. Sind schw├Ąchere Sauen mit geringerer Milchleistung dabei, kann es zu einem vermehrten Fremdsaugen der Ferkel kommen.

Eine Gruppengr├Â├če von sechs bis maximal acht Sauen hat sich in dem Projekt als ideal erwiesen. Dadurch k├Ânnen die Ferkel die Sauen bei Einleitung des S├Ąugevorgangs schnell erreichen, der Sauenhalter beh├Ąlt bei dieser Gruppengr├Â├če den ├ťberblick und kann die Tiere besser kontrollieren. Hilfreich kann hierbei sein, den Ferkeln der W├╝rfe farblich unterschiedliche Ohrmarken einzuziehen, um sie leichter unterscheiden zu k├Ânnen.

Laufgang muss breit genug sein

Auch bei den baulichen Voraussetzungen gibt es nach Abschluss des Projektes klare Empfehlungen. Der Laufgang sollte so breit sein, dass die Tiere nebeneinander liegen und einander ausweichen k├Ânnen. Ist er mindestens 3 m breit, kann eine rangniedere Sau ungehindert an einer rangh├Âheren Sau vorbeigehen. Eine gegen├╝berliegende Anordnung der Einzelbuchten bei mittigem Laufgang ist der Anordnung in einer Reihe vorzuziehen. Ein Verh├Ąltnis von L├Ąnge zu Breite des Laufgangs von 1:3 hat sich in dem Projekt als ideal herausgestellt. Der Platzbedarf pro Sau im gemeinsamen Laufbereich wird mit 7 bis 8 m┬▓ angegeben (zuz├╝glich der Abferkelbuchten).

Einzelabferkelung ist die Grundlage

Die Einzelabferkelung wird von allen Betriebsleitern als wichtige Grundlage f├╝r das sp├Ątere Gruppens├Ąugen gesehen, weil sie eine gute Bindung der Ferkel an die Mutter garantiert. Die Betriebe haben unterschiedliche L├Âsungen f├╝r die Aufstallung gew├Ąhlt. Die konventionell wirtschaftenden Betriebsleiter hielten an den Ferkelschutzk├Ârben in den Abferkelbereichen fest, die ├Âkologisch wirtschaftenden Betriebe praktizieren das freie Abferkeln. In der Einzelhaltung sind die Ferkel in den ersten Lebenstagen bestm├Âglich vor dem Erdr├╝cken gesch├╝tzt und k├Ânnen eine feste Bindung an die Mutter eingehen. Impfungen und Routinema├čnahmen bei den Ferkeln sind in dieser Zeit problemlos m├Âglich, weil die Sau in der Bucht fixiert ist. Die Einzelhaltung w├Ąhrend des Abferkelns ist also auch aus Gr├╝nden des Arbeitsschutzes der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stall wichtig.

Die Zweigliederung der Haltung, zun├Ąchst in Einzelhaltung und im zweiten Schritt in eine Gruppenhaltung von Ferkeln und Sauen, haben die Betriebe unterschiedlich gel├Âst. Drei Betriebe haben das Konzept in einem Raum umgesetzt, zwei Betriebe haben die Sauen mit den Ferkeln in ein Gruppens├Ąugeabteil umgestallt. Wann die Phase der Gruppenhaltung beginnen kann, h├Ąngt von der Entwicklung der Ferkel ab. Die meisten Betriebe w├Ąhlten hierf├╝r den zehnten Lebenstag der Ferkel, fr├╝hestens aber den siebten Lebenstag. Zu Beginn der Gruppierungsphase werden zun├Ąchst die Ferkel in den gemeinsamen Bewegungsbereich gelassen, w├Ąhrend die Sauen weiterhin in den Buchten verbleiben. So k├Ânnen die Ferkel gefahrlos den neuen Raum und die Ferkel der anderen W├╝rfe kennenlernen. Die Sauen folgen ein bis zwei Tage sp├Ąter. Rangordnungsk├Ąmpfe unter den Sauen werden minimiert, weil die Sauen schon einige Tage vor dem Abferkeln Gelegenheit hatten sich gegenseitig kennenzulernen.

Funktionsbereiche im Stall helfen den Tieren

In der Gruppenhaltung von ferkelf├╝hrenden Sauen sind Funktionsbereiche besonders wichtig, um die Bed├╝rfnisse von Sau und Ferkeln zu erf├╝llen. Die Sauen m├Âgen es k├╝hl, die Ferkel ben├Âtigen vor allem in den ersten Tagen W├Ąrme. Deshalb spielen die Ferkelnester eine besondere Rolle. Sie m├╝ssen ausreichend gro├č und gut geheizt sein, damit sich die Ferkel zum Ruhen und Schlafen freiwillig und gerne dorthin zur├╝ckziehen und vor dem Erdr├╝cken durch die Sauen gesch├╝tzt sind. Die Sauen wiederum f├╝hlen sich bei geringerer Buchtenlufttemperatur wohl. Sie liegen daher auch gerne im Laufbereich. Auch eine Sauendusche ist vorstellbar, um den Sauen K├╝hlung zu verschaffen. Eine Strukturierung der Gruppens├Ąugebuchten ist ebenso hinsichtlich der Umnutzung vorhandener Kastenst├Ąnde von Vorteil. In den Haltungen, in denen der Kastenstand noch zur Verf├╝gung stand, haben sich vor allem die rangniederen Sauen zum Liegen, Ruhen und Fressen gerne darin zur├╝ckgezogen. Eine fehlende Buchtenstrukturierung im Gruppens├Ąugebereich dagegen hat auf einem Betrieb zu Unruhe und vermehrten Rangordnungsk├Ąmpfen gef├╝hrt.

Wer profitiert vom Gruppens├Ąugen?

Die Betriebsleiter sind sich einig, dass das Gruppens├Ąugen sowohl f├╝r die Sauen als auch f├╝r die Ferkel Vorteile bringt. Die Ferkel profitieren von den Interaktionen und Sozialkontakten zu den Ferkeln der anderen W├╝rfe. Durch die Gruppierung bilden sie einen festen Sozialverband, der auch nach dem Absetzen zusammenbleibt. Das verringert den Absetzstress deutlich. Au├čerdem haben die Ferkel beim ├ťbergang in die Ferkelaufzucht das gleiche Keimmilieu, so dass sich weniger Leistungseinbr├╝che durch das Umstallen zeigen.

F├╝r die Sauen ist das Gruppens├Ąugen ebenfalls positiv. Die Sauenhalter im Projekt beschrieben die Sauen im Gruppens├Ąugen als entspannt und ruhig. Sie haben deutlich mehr Bewegung und eine bessere Verdauung, fressen mehr und haben nach dem Absetzen eine bessere K├Ârperkondition. Die Sauen sollten in diesem Haltungssystem allerdings satt oder ad libitum gef├╝ttert werden, um keinen Futterneid aufkommen zu lassen. Ein zus├Ątzlicher Futterautomat im Bewegungsbereich hat sich in zweifacher Hinsicht bew├Ąhrt: Bei den Sauen sinkt der BCS (Body condition score) nicht so schnell ab und die Ferkel lernen durch das gemeinsame Fressen schneller die Aufnahme von festem Futter.

Wo sind die Herausforderungen des Systems?

Die Projektteilnehmer stellten insgesamt fest, dass die Betreuung der Tiere in dieser Form der Gruppenhaltung mehr Zeit erfordert. Das Management der Tiere ist deutlich anspruchsvoller, beispielsweise durch die ├ťberlegungen zu einer optimalen Gruppenzusammensetzung. Auch die Tierbeobachtung muss intensiviert werden. Ein Augenmerk sollte zudem auf den Gesundheitszustand der Sauen gelegt werden. Durch den Freilauf und vermehrtes Liegen auf den Bewegungsfl├Ąchen kommen sie mit F├Ąkalien in Kontakt, die unter Umst├Ąnden zu gesundheitlichen Problemen f├╝hren k├Ânnen.

F├╝r die Tierbeobachtung ist ein Kontrollgang wichtig, von dem aus der gesamte Bereich einsehbar ist. Das erwies sich bei den umgebauten Stallabteilen als Problem, weil hierf├╝r der Platz fehlte bzw. der Mittelgang nach dem Freilassen von Sauen und Ferkeln nicht mehr zur Verf├╝gung stand. Er sollte vor dem Bau bzw. Umbau mit eingeplant werden. Auch eine M├Âglichkeit der Ferkelseparation ist sinnvoll, weil notwendige Impfungen dann auch innerhalb der S├Ąugeperiode stattfinden k├Ânnen. Die teilnehmenden Betriebe ohne die M├Âglichkeit der Ferkelseparation haben die Impfungen w├Ąhrend der Projektphase auf den Zeitpunkt des Absetzens verschoben. Es ist zudem vorteilhaft, wenn im Abteil noch ein oder zwei Reservepl├Ątze vorhanden sind. Diese Pl├Ątze k├Ânnten zum Einstallen einer verletzten Sau oder einer Ammensau zur Verf├╝gung stehen.

Homogene Sauengruppen vorteilhaft f├╝r Gruppens├Ąugen

Die Betriebsleiter haben f├╝r die Zusammenstellung der Gruppen vorwiegend Sauen ab dem zweiten Wurf mit guter Kondition und Milchleistung gew├Ąhlt. F├╝r Jungsauen muss die Umsetzbarkeit eines Gruppens├Ąugen noch umfassender gepr├╝ft werden. Auf Betrieben, die Jungsauen ins Gruppens├Ąugen einbezogen haben, waren die Ferkelverluste durch Erdr├╝cken h├Âher als bei ├Ąlteren Sauen. Auch hinsichtlich Alter und Leistung sind gemischte Sauengruppen nicht zu empfehlen. Die Ferkel von Sauen mit schlechteren Milchleistungen, meistens waren es ├Ąltere Sauen, saugten vermehrt bei leistungsstarken, j├╝ngeren Sauen und verdr├Ąngten dort schw├Ąchere Ferkel. Sauen, bei denen die Milch nicht mehr durch die Ferkel abgerufen wurde, zeigten u.a. Agalaktie (fehlende Milchsekretion) und Mastitis (Ges├Ąugeentz├╝ndung).

Fazit

Die Erfahrungen der Betriebsleiter mit dem Gruppens├Ąugen waren durchweg positiv: Die Sauen profitieren ebenso von der Bewegung und den Sozialkontakten in der Gruppe wie die Ferkel. Die Teilnehmer des Netzwerks haben angegeben, dass sie viel vom Erfahrungsaustausch mit den anderen Betriebsleitern profitiert haben, gerade auch von denen, die ├Âkologisch wirtschaften und bereits Erfahrungen mit dem Gruppens├Ąugen hatten. Die L├Âsungen der Betriebsleiter bei der Umsetzung dieses in der Praxis bisher eher un├╝blichen Haltungsverfahrens sind sehr unterschiedlich. Grunds├Ątzlich ist eine Umsetzung in die Praxis m├Âglich: Aus allen im Netzwerk umgesetzten Varianten an Gruppenhaltungen ÔÇô bis auf einen Neubau wurden ├╝berall Umbaul├Âsungen von herk├Âmmlichen Stallsystemen vorgenommen ÔÇô konnten vorteilhafte Aspekte f├╝r eine zukunftsf├Ąhige Gruppenhaltung ferkelf├╝hrender Sauen gew├Ąhlt werden. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass immer nur Teilaspekte auf andere Betriebe ├╝bertragen werden k├Ânnen. Ein solches Haltungssystem kann ein hohes Ma├č an Tierwohl f├╝r Sauen und Ferkel bringen, wenn es an den Bed├╝rfnissen der Sauen und der Ferkel ausgerichtet ist.