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Schweine

Stallsysteme

Betriebsindividuelle Baul├Âsungen f├╝r die Gruppenhaltung ferkelf├╝hrender Sauen

In der Umsetzung der Gruppenhaltung ferkelf├╝hrender Sauen haben die Demonstrationsbetriebe individuelle Baul├Âsungen entwickelt. In einer anf├Ąnglichen Status quo-Erhebung wurde die Sauenhaltung durch BeraterInnen des Tierschutz-Kompetenzzentrums erfasst und M├Âglichkeiten f├╝r die Umsetzung des neuen Systems gemeinsam mit den Betriebsleitern besprochen. In den beiden ├Âkologisch wirtschaftenden Betrieben wurde das Gruppens├Ąugen bereits umgesetzt. Hier lag der Schwerpunkt der Projektarbeit in der Optimierung der bestehenden Systeme. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Baul├Âsungen vorgestellt.

Betrieb A (konventionell)

Im Betrieb A wurde ein bestehendes Abteil mit sechs Einzelbuchten zu einem Gruppens├Ąuge-System umgebaut.

  • Starre Trennw├Ąnde zwischen den Abferkelbuchten wurden durch verschiebbare Elemente ersetzt
  • F├╝r die R├╝ckenw├Ąnde der Buchten und den hinteren Teil des Ferkelschutzkorbes wurden Halterungen an der Abteilwand angebracht
  • Es wurden Stahlgitter angefertigt, die das Ferkelnest bei ge├Âffneten Buchten von dem Laufbereich trennen
  • Die Abteilt├╝r wird bei ge├Âffneten Buchten ├╝ber eine h├╝fthohe Kunststofft├╝r vor Besch├Ądigungen durch die Sau oder die Ferkel gesichert
  • F├╝r eine schnelle und kurzzeitige Fixierung der Sau, z. B. w├Ąhrend einer Ferkelbehandlung, gibt es zudem handliche T├╝ren zum Einhaken in den Ferkelschutzkorb
  • Am Unterbau bzw. G├╝llekeller des vorhandenen Abteils wurde nichts ver├Ąndert
  • Im Abteil wird die Zuluft ├╝ber eine diffuse Deckenl├╝ftung zugef├╝hrt und ├╝ber eine Einzelabsaugung abgef├╝hrt
  • Um die Zonenunterteilung in Ruhe- und Aktivit├Ątsbereich innerhalb der Gruppenbucht zu optimieren, wurde nachtr├Ąglich eine Luftk├╝hlung vor dem Abteil eingebaut ÔÇô durch eine Hochdruckspr├╝hvernebelung wird somit die Zuluft im Abteil abgek├╝hlt

Die Sauen ferkeln in den Einzelbuchten ab. Am 10. Lebenstag der Ferkel werden im Projektabteil die Ferkelschutzk├Ârbe und Abferkelbuchten ge├Âffnet, sodass sich erst alle Ferkel und dann alle Sauen des Abteils im Laufbereich frei bewegen k├Ânnen.

Umbau einer Einzelbucht zur Gruppenbucht

Die Bildabfolge zeigt anschaulich, wie der Umbau einer Einzelbucht zur Gruppenbucht erfolgt:

  • Zun├Ąchst werden die hinteren Buchtentrennw├Ąnde an den Halterungen an der Abteilwand angebracht. Die schr├Ąge Ausrichtung der aufgeh├Ąngten Buchtentrennw├Ąnde dient einerseits als Abliegehilfe f├╝r die Sauen, andererseits als Ferkelschlupf, da die Trennw├Ąnde soweit ├╝ber dem Boden angebracht sind, dass die Ferkel beim Abliegevorgang der Sau unter den Trennw├Ąnden ausweichen k├Ânnen.
  • Im Anschluss wird die Trennwand zwischen den einzelnen Buchten bis zur Mitte zusammengeschoben und die Stahlgitter zur Abgrenzung des Ferkelnestes an der Trennwand befestigt.
  • Abschlie├čend wird der hintere Teil des Ferkelschutzkorbes herausgezogen und die Stahlgitter werden mit dem Schutzkorb verschraubt. Durch den Erhalt des vorderen Teils des Ferkelschutzkorbes wird sichergestellt, dass bei den F├╝tterungszeiten nicht zwei Sauen an einem Trog fressen.

    Bildabfolge: Umbau von Einzelbucht zur Gruppenbucht - Quelle: BLE

Betrieb B (├Âkologisch)

Auf dem ├Âkologisch wirtschaftenden Betrieb B wurden vor Projektbeginn Gruppenabferkelung (freie Abferkelung) und Gruppens├Ąugen praktiziert. Die Ferkelverluste v.a. in den ersten Lebenstagen waren deutlich erh├Âht und nicht zufriedenstellend. Zur Verbesserung des Gesamtsystems entschied sich der Betriebsleiter daher f├╝r einen Neubau mit Einzelabferkelungsbuchten und Gruppens├Ąugebereich sowie einer Optimierung des alten Gruppenhaltungsstalls.

Details zum Neubau

  • Neubau: 12 in sich abgeschlossenen Abferkelbuchten, die jeweils ├╝ber einen eigenen Auslaufbereich verf├╝gen (Abb. 8).
  • Der Innenbereich f├╝r Sau und Ferkel ist 4,83 m2 gro├č, der Au├čenbereich 5,25 m2.
  • Durch den kleiner gestalteten Innenbereich sollte dieser von der Sau nur zum S├Ąugen und Ruhen genutzt werden, das Abkoten und Urinieren soll durch den Au├čenklimareiz und die Sozialgitter im Auslauf angeregt werden.
  • Die Ausf├╝hrung des Stallbaus erfolgte aus Holz mit Trapezblecheindeckung. Der Rohstoff Holz sorgt dabei f├╝r eine stabile Raumtemperatur und eine reduzierte Schwitzwasserbildung, was die Gesundheit der Tiere positiv beeinflusst.
  • Entlang der Abferkelkojen im Innenraum verl├Ąuft ein Zentralgang zur Tierkontrolle und zur Bewirtschaftung.
  • F├╝r die effektive Tierkontrolle und -beobachtung liegen die Ferkelnester direkt am Zentralgang (sehr gut einsehbar). Das Ferkelnest wird durch eine Deckelheizung beheizt und ist f├╝r das Muttertier nicht zug├Ąnglich.
  • Der Innenbereich wird mit Stroh eingestreut und besitzt keine Abliegehilfen, damit die Sauen ihr nat├╝rliches Verhalten w├Ąhrend der Abferkelung ausleben k├Ânnen.
  • Die Frischluftzufuhr des Innenbereichs gew├Ąhrleistet eine ├ľffnung unterhalb des Daches. Der Au├čenbereich, der ├╝ber eine Luke mit Kunststoffvorhang erreicht wird, besteht aus einer geschlossenen Betonfl├Ąche. Futter und Wasser werden den Sauen hier ├╝ber einen Trog angeboten. Dadurch bleibt der Innenbereich trocken und sauber und die Reinigungsarbeiten fallen geringer aus.
  • Im Au├čenbereich wird die geschlossene Betonfl├Ąche per Hand ├╝ber einen Kotabwurfschacht mit Unterflurschrapper entmistet. Durch Sozialgitter k├Ânnen Tiere benachbarter Buchten Kontakt zueinander aufnehmen.
  • Zur Vorabgruppierung der wurffremden Ferkel kann bei den Sozialgittern zus├Ątzlich ein Ferkelschlupf ge├Âffnet werden.
  • Der Au├čenbereich ist nach den Richtlinien von Naturland teil├╝berdacht.

Die Optimierung der Gruppenhaltung wurde durch unterschiedliche Anpassungen gew├Ąhrleistet (siehe auch Skizze oben).

  • Zur Optimierung des Altgeb├Ąudes wurde nach der Status quo Analyse entschieden, den Tieren innerhalb der Gruppenbucht mehr Platz zur Verf├╝gung zu stellen. Dies wird ├╝ber eine Reduzierung der Gruppengr├Â├če von acht auf sechs ferkelf├╝hrende Sauen erreicht.
  • Zwei Liegekojen wurden entfernt, wodurch sich die restlichen sechs Liegekojen vergr├Â├čerten.
  • Der Laufbereich bleibt von der Gr├Â├če unver├Ąndert, jedoch hat jede Sau durch die verringerte Belegdichte nun mehr Platz.
  • Zus├Ątzlich wurde bei den Ferkelnestern eine zweite Heizspirale eingebaut (Abb. 10), um Funktionsbereiche klarer r├Ąumlich zu trennen und den Ferkeln im ansonsten unbeheizten Stall einen beheizten Bereich zur Verf├╝gung zu stellen.

Betrieb C (konventionell)

Auf Betrieb C wurde eine individuell angefertigte Stalleinrichtung f├╝r ein Gruppens├Ąuge-System in ein Abteil eingebaut.

Details:

  • Die Bucht besteht aus sechs Einzelabferkelbuchten (4,32 m2/Bucht) und einem in der Mitte angelegten 20,4 m2 gro├čen Laufbereich (3,4 m2/Bucht).
  • In der anfangs geschlossenen Einzelabferkelbucht ist ein l├Ąngs aufgestellter Ferkelschutzkorb mit Ablegeb├╝geln und einem Gussrost als Boden unterhalb der Sau eingebaut.
  • In der restlichen Einzelabferkelbucht und im Laufbereich ist ein trittsicherer Kunststoffrost verlegt.
  • An der Kopfseite des Ferkelschutzkorbes stellt eine Nasenl├╝ftung die Frischluftzufuhr der Sauen sicher.
  • Den Ferkeln stehen zwei Heizplatten und eine Ferkeltr├Ąnke in der Abferkelbucht zur Verf├╝gung.
  • Die F├╝tterung der Sauen erfolgt im Ferkelschutzkorb ├╝ber einen Volumendosierer. Im Laufbereich wurde zudem ein Trockenfutterautomat f├╝r die Sauen aufgestellt, um die Futteraufnahme zu erh├Âhen. F├╝r die Ferkel gibt es einen zus├Ątzlichen Ferkelschlupf, hinter dem den Ferkeln beispielsweise Milchaustauscher oder Prestarter angeboten werden kann (siehe Abb.).

Betrieb D (konventionell)

Im Betrieb D wurde ein vorhandenes Altgeb├Ąude umgenutzt. Hier entschied sich der Betriebsleiter f├╝r eine Eigenl├Âsung.

Details:

  • Die Umnutzung des Abteils begann mit dem Neubau des G├╝llekellers. Auch die Decke mit der Be- und Entl├╝ftung wurde erneuert. Die Frischluftzufuhr erfolgt nun ├╝ber einen Rieselkanal.
  • Das Abteil wurde in zwei Bereiche unterteilt. Im ersten, je Bucht 22 m2 gro├čen Bereich, k├Ânnen sich die Sauen mit den Ferkeln frei bewegen. Nach den ersten Durchg├Ąngen und Erfahrungen entschied sich der Betriebsleiter statt wie urspr├╝nglich geplant 5-6 Sauen nur noch 3 Sauen je Bucht zu halten. Dadurch standen jeder Sau 7,3 m2 als Bewegungsfl├Ąche zur Verf├╝gung.
  • Zur Optimierung der Thermoregulation der Sauen wurden in diesem Bereich neben den herk├Âmmlichen Kunststoffrosten auch zus├Ątzliche Gussroste verlegt. Weiterhin steht den Sauen eine Fl├╝ssigf├╝tterung mit Sensor am Kurztrog zur Verf├╝gung (siehe Foto).
  • Durch den sogenannten ÔÇ×Easy-CatchÔÇť (siehe Foto) gelangen die Ferkel in den zweiten Bereich, der als Flatdeck konzipiert ist.
  • Die Besonderheit des Easy-Catch liegt in der Einstellbarkeit der Durchgangsrichtung (Flatdeckbereich / Gruppens├Ąugebereich / beide Bereiche). Hierdurch k├Ânnen die Ferkel getrennt von der Muttersau zur Behandlung / Impfung im Flatdeckbereich separiert werden (Arbeitsschutz).
  • Der Flatdeckbereich ist im Aktivit├Ąts- und Fressbereich mit Kunststoffrosten ausgelegt. Der Liegebereich besteht aus einer betonierten Fl├Ąche mit Fu├čbodenheizung und dar├╝ber liegendem Deckel. Unterhalb des Deckels sichert ein KG-Rohr mit Aufbohrungen die Frischluftzufuhr der Tiere.
  • Ein Frischbreiautomat dient der fr├╝hen Gew├Âhnung der Ferkel an Festfutter w├Ąhrend der S├Ąugeperiode (siehe Foto).

Betrieb E (├Âkologisch)

Betrieb E setzt das Gruppens├Ąugen bereits seit 2010 um. Im Rahmen des Projektes wurde das bestehende System baulich nicht ver├Ąndert, sondern der Schwerpunkt lag in einer Optimierung des Managements. Die Sauen ferkeln zun├Ąchst in einer Einzelabferkelbucht mit separatem Auslauf ab (siehe Skizze). Am 21. Lebenstag der Saugferkel werden dann jeweils zwei Sauen mit ihren Ferkeln in eine Gruppenhaltungsbucht (siehe Foto) eingestallt.

Details:

  • Jede Bucht verf├╝gt ├╝ber ein Ferkelnest (7,5 m2), was nur f├╝r die Ferkel erreichbar ist, sowie ├╝ber einen gemeinsamen Innen- (16,65 m2) und Au├čenbereich (12 m2). Der Innenbereich ist durch zwei Schwingt├╝ren aus Holz, eine f├╝r die Ferkel und eine f├╝r die Sauen, vom Au├čenbereich getrennt.
  • Im Au├čenbereich ist eine Tr├Ąnkevorrichtung installiert und die Sauen werden hier mit Laktationsfutter versorgt.
  • Im Ferkelnest wird den Ferkel Prestarter zugef├╝ttert. Bei Bedarf kann das Ferkelnest mit Infrarotstrahlern beheizt werden.
  • Zur Einzeltierbehandlungen k├Ânnen die Ferkel im Nest mithilfe eines Brettes fixiert werden.
  • Die geplanten Projektma├čnahmen konnten auf dem Betrieb erst nach dem eigentlichen Projektende umgesetzt werden.
  • Die Ma├čnahmen umfassten den Einbau einer neuen, steuerbaren Deckelheizung im Ferkelnest, die Erneuerung der Sauentr├Âge sowie die Aufarbeitung des Fu├čbodens im Innenbereich.
  • Die Ma├čnahmen f├╝hrten zu einer deutlichen Senkung der Saugferkelverluste, weil sich die Ferkel nun nicht mehr versehentlich unter dem Sauentrog einklemmen k├Ânnen und der aufgearbeitete Boden schonender f├╝r die Karpalgelenke und Klauen der Ferkel ist.