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Schweine

Beschäftigung

Von Natur aus beschäftigt

Heute werden die meisten Schweine in Ställen mit reizarmen Gruppenbuchten auf Spaltenböden gehalten. In dieser Haltungsform können die Schweine ihre angeborenen Verhaltensweisen allerdings nur sehr eingeschränkt ausleben. Es gibt viele Möglichkeiten, diese Haltungsumwelt in den Ställen wieder anzureichern, um Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen vorzubeugen. In den MuD-Betrieben werden einige Materialien und Objekte getestet.

Schweine verbringen in einer naturnahen Haltung  70 Prozent ihrer Aktivit√§tszeit mit der Futtersuche und Futteraufnahme. Daf√ľr setzen sie aktiv ihren R√ľssel ein und w√ľhlen vorzugsweise im Erdreich nach Nahrung. Sie sind bewegungsaktiv, neugierig und erkunden ihre Umgebung. Besonders j√ľngere Tiere zeigen zudem ein ausgepr√§gtes Spielverhalten. In einer reizarmen Haltungsumwelt ist das Ausleben dieser Verhaltensweisen stark eingeschr√§nkt bis nicht m√∂glich. Die Folgen k√∂nnen Frustration, Langeweile und Verhaltensst√∂rungen wie Schwanzbei√üen sein. Die Demonstrationsbetriebe Tierschutz testen in ihren St√§llen passende Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten f√ľr die Schweine. Dabei kommen ganz unterschiedliche Materialien zum Einsatz.

Beschäftigungsmaterialien

Gem√§√ü der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung m√ľssen Besch√§ftigungsmaterialien ‚Äěbewegbar‚Äú, ‚Äěuntersuchbar‚Äú und ‚Äěver√§nderbar‚Äú sein, zudem m√ľssen Besch√§ftigungsmaterialen ‚Äědem Erkundungsverhalten dienen‚Äú. So umschreibt es der Gesetzgeber. Besch√§ftigungsmaterialien sollen so interessant sein, dass die Tiere sie nutzen. Auf einen einwandfreien, hygienischen Zustand ist in jedem Fall zu achten, da die Tiere auch Teile der Materialien aufnehmen. Wichtig ist, dass die Materialien regelm√§√üig nachgef√ľllt bzw. ausgetauscht und auch ausgewechselt werden, damit sie attraktiv bleiben.

Folgende Beschäftigungsmaterialien wurden auf den Betrieben eingesetzt:

Heu

Stroh

Beides auch als Häcksel

F√ľr die Haltung unkupierter Schweine ist es wichtig, dass allen Tieren Heu oder anderes organisches Besch√§ftigungsmaterial zum Kauen und Fressen zur Verf√ľgung steht. Heu und Stroh liefern zus√§tzliche Rohfaser und sind gut geeignet, um den Spiel- und Erkundungstrieb der Schweine zu befriedigen. Heu hat den weiteren Vorteil, dass es durch die di√§tische Wirkung der enthaltenen Rohfaser einen positiven Einfluss auf die Darmgesundheit und Magenstabilit√§t hat. Der Magen-pH-Wert kann durch die vermehrte Speichelproduktion beim Kauen reguliert werden.

Heu und Stroh sollten stets in einwandfreier Qualität und vor allem frei von Mykotoxinen sein.

Luzernecobs

Heucobs

Gr√ľnmehlpellets
Luzerne- oder Heucobs eignen sich genau wie Gr√ľnmehlpellets als Besch√§ftigungsmaterialien. Sie werden von den Schweinen gerne gefressen und f√ľhren durch das ausgepr√§gte Quellverm√∂gen zu einer guten S√§ttigung der Tiere. Sie k√∂nnen lose auf die Liegefl√§chen gestreut, in Futtertr√∂gen oder -schalen oder √ľber spezielle Automaten angeboten werden.

Gepresste

Luzernestäbe

Die gepressten Stangen aus Luzerne, in einer Wandhalterung befestigt, dienen den Schweinen als Beschäftigungsmaterial. Sie können von den Schweinen verändert werden und entsprechen somit dem Erkundungsverhalten. Die Schweine können die Stangen auch fressen, sie haben eine diätische Wirkung im Darm. Sie sind als Raufuttergabe einsetzbar.

(Mais-)Silage

Maissilage bietet sich sowohl als Rohfasererg√§nzung als auch als zur Besch√§ftigung an. Ein positiver Effekt besteht beispielsweise in der Wirkung der durch den Silierungsprozess entstandenen organischen S√§uren. Der gute Geschmack der Silage animiert die Schweine zum Fressen. Sie ist zudem gut mit dem R√ľssel beweglich und dadurch interessant. Es sollte frei von Mykotoxinen sein.
Fasermix Das Erg√§nzungsfuttermittel Fasermix besteht aus verschiedenen Komponenten, die einen hohen Rohfaseranteil liefern. Es gibt sie in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Energiedichten. Beispielsweise k√∂nnen Zuckerr√ľbenschnitzel, Sojabohnenschalen, Weizenkleie, Apfeltrester und andere Komponenten enthalten sein. Die Fasertr√§ger s√§ttigen durch ihr hohes Quellverm√∂gen.
W√ľhlerde W√ľhlerde bzw. Ferkeltorf wird von den Ferkeln sehr gerne angenommen. Sie k√∂nnen in W√ľhlkisten in die Bucht gestellt werden. W√ľhlerde kann einen wertvollen Beitrag zur Durchfallprophylaxe in der Abferkelbucht und auch im Flatdeck leisten. Durch den hohen Anteil an Humins√§uren wird der Magen-Darm-Trakt stabilisiert und auf die zuk√ľnftige feste Nahrung der Ferkel nach der S√§ugeperiode gut vorbereitet.
Hafer Gequetschter Hafer wird als zusätzlicher Rohfaserträger und zur Beschäftigung der Schweine auf den Boden gegeben oder in zusätzlichen Schalen angeboten. Die Tiere nehmen damit zusätzlich Rohfaser auf und verbessern die Darm-Gesundheit. Außerdem sind die Schweine damit länger satt und zufriedener.
Zwiebeln Zwiebeln wirken verdauungsfördernd und antiseptisch.

Leckeimer

Salzlecksteine

Lecksteine und Leckeimer dienen zur Besch√§ftigung der Schweine bei gleichzeitiger Versorgung mit Mineralstoffen. 

Je nach Zusammensetzung enthalten sie einen hohen Magnesium-, Calcium und Natriumgehalt sowie Mineralien und Spurenelemente. Lecksteine sollten an einer gut erreichbaren Stelle aufgeh√§ngt oder angebracht werden, insbesondere neben dem Trinkwasserbeh√§lter. Leckeimer und Salzlecksteine eignen sich auch als Notfallma√ünahme bei beginnendem Schwanzbei√üen.

Seile aus Hanf, Baumwolle, Sisal

Jutesäcke

Seile aus unterschiedlichen Materialien dienen der Beschäftigung. Sie lassen sich mit einem Karabinerhaken einfach in eine herabhängende Kette einhaken und in der Höhe verstellen. Es gibt zudem verschiedene Halterungen zur Befestigung der Seile. Sie sollten regelmäßig gewechselt werden.

Jutesäcke eignen sich ebenfalls als Beschäftigungsmaterial, können auch gut als Sofortmaßnahme bei beginnendem Schwanzbeißen eingesetzt werden.

Urgesteinsmehl

Leonardit

Bei Leonardit handelt es sich um ein Spezialfuttermittel, welches √ľberwiegend aus humis√§urehaltiger Weichbraunkohle besteht. Neben den Humins√§uren sind wertvolle Mineralstoffe enthalten. Die Tiere sollen in ihrer Darmgesundheit unterst√ľtzt werden. Bei Bedarf ist es den Tieren zur freien Aufnahme zur Verf√ľgung zu stellen. Dies kann gleichzeitig als Fr√ľhwarnsystem fungieren, da bei einer hohen Aufnahme durch einzelne Tiere oder einzelne Buchten Probleme fr√ľhzeitig erkannt werden k√∂nnen.

Vorrichtungen f√ľr die Besch√§ftigungsmaterialien

Nach Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sind Tierhalter dazu verpflichtet, ihren Schweinen st√§ndig Zugang zu ausreichenden Mengen an Besch√§ftigungsmaterialien zu gew√§hren. Futterkarren, die extra f√ľr die Verteilung der Besch√§ftigungsmaterialien in den Buchten vorgesehen sind, verhindern eine Verunreinigung. Auch ist beobachtet worden, dass Besch√§ftigungsmaterialien weniger attraktiv sind, wenn sie einmal Stallgeruch angenommen haben. Hier hilft eine Lagerung in geschlossenen Beh√§ltern, um die Materialien vor Verunreinigung und Geruch zu sch√ľtzen.

F√ľr eine m√∂glichst lange Besch√§ftigung ist es vor allem in Standardbuchten sinnvoll, Vorrichtungen f√ľr das Besch√§ftigungsmaterial zu installieren. Das k√∂nnen unter anderem sein:

Raufen; Heuk√∂rbe: Sowohl Raufutterraufen als auch Heuk√∂rbe, die an Ketten frei √ľber der Bucht aufgeh√§ngt werden k√∂nnen, eignen sich gut f√ľr die Gabe von Raufutter. Aufgrund der gro√üen Abst√§nde zwischen den Verstrebungen k√∂nnen die Schweine viel Heu oder Stroh aufnehmen. Die Raufen gibt es in verschiedenen Varianten, beispielsweise als Wandraufen oder auch als Trichterraufen, die auf die Buchtentrennw√§nde montiert werden k√∂nnen.

Futtertonnen mit L√∂chern: Futtertonnen mit L√∂chern am unteren Rand k√∂nnen mit Ketten aufgeh√§ngt werden und bieten den Schweinen ein frei bewegliches Spielzeug zur interaktiven BeschaŐąftigung. Durch die L√∂cher k√∂nnen sie einzelne Heuhalme herausziehen. Dosier√∂ffnungen k√∂nnen verstellbar sein, sodass verschiedene Materialien genutzt werden k√∂nnen.

Rohfaserspender, Pelletspender: Es gibt verschiedene Spender f√ľr Rohfaser oder Pellets. Die Schweine k√∂nnen √ľber verschiedene Mechanismen die Dosier√∂ffnungen mit dem R√ľssel bedienen, die Pellets fallen meistens in eine sich darunter befindliche Futterschale. Die Tiere k√∂nnen sich damit besch√§ftigen und nehmen zus√§tzlich Rohfaser auf. Der Sattfutterautomat beispielsweise eignet sich gut zum Anbieten von Getreidekleien, Stroh- und Luzernegr√ľnmehlpellets. Die Tiere k√∂nnen spielerisch die Dosiereinheit auf der Unterseite bet√§tigen und auf diese Weise st√§ndig und unabh√§ngig von der F√ľtterung Raufutter aufnehmen. CCM-Feeder: √úber diese Futterautomaten kann Corn Cob Mix an die Schweine ausdosiert werden, sie k√∂nnen aber auch f√ľr Pellets genutzt werden.

Futterschalen: In der Ferkelaufzucht k√∂nnen Futtermittel wie gequetschter Hafer, Gerste, Fasermix oder Urgesteinsmehl √ľber zus√§tzliche Futterschalen angeboten werden. Die zus√§tzliche Gabe von Mischgetreide bietet Abwechslung und Besch√§ftigung, befriedigt aber auch bestimmte Bed√ľrfnisse der Schweine.

Mikrosuhle: Eine sogenannte ‚ÄěMikrosuhle‚Äú ist Besch√§ftigung und Abk√ľhlung zugleich. √úber eine d√ľnne Wasserleitung mit Spr√ľhkopf, die oberhalb der Buchten verlegt ist, wird gezielt Wasser freigesetzt. Dadurch werden einerseits die K√∂rper der Tiere mit Wasser berieselt, andererseits dient die Pf√ľtze unterhalb der D√ľse zum Suhlen und Abk√ľhlen auf den Betonrosten. Beobachtungen zeigen, dass sich die Tiere auch gerne mit dem Wasser besch√§ftigen. Die Mikrosuhle l√§sst sich auch zeitlich und abh√§ngig vom  Stallklima steuern.

W√ľhlkisten: In den W√ľhlkisten k√∂nnen verschiedene Futtermittel oder Besch√§ftigungsmaterialien angeboten werden. Sie eignen sich auch gut als Notfallma√ünahme bei beginnendem Schwanzbei√üen: Sie sind schnell bef√ľllt und schaffen sofort Ablenkung.

Strohwannen: In den Strohwannen kann Stroh auf einer Fl√§che angeboten werden, sodass die Tiere es bew√ľhlen k√∂nnen. Hierdurch wird den Schweinen ein klar abgegrenzter Bereich f√ľr Aktivit√§t zur Besch√§ftigung mit Raufutter angeboten. Dies kommt auch dem Bed√ľrfnis der Schweine nach einer klaren Buchtenstruktur entgegen.

Spaltenverschl√ľsse verhindern, dass Besch√§ftigungsmaterial wie Stroh und Heu in die G√ľlle ger√§t und deren Flie√üf√§higkeit behindert. Sie werden gezielt unterhalb von Raufen angebracht oder in den Bereichen der Bucht, in denen Raufutter oder Besch√§ftigungsmaterial als Bodengabe verteilt wird.

Automatisierungen

Viele L√∂sungen zur Vorlage von Raufutter f√ľr die Schweine sind mit zus√§tzlichem Arbeitsaufwand verbunden. Auf einigen teilnehmenden Betrieben wird erprobt, wie die Raufuttervorlage automatisiert erfolgen kann. Auf einem Betrieb wurde beispielsweise ein auf dem Hof vorhandener CCM-H√§cksler zu einem Strohh√§cksler umgebaut und vor die Beschickung der automatischen Raufuttergabe-Anlage geschaltet. Durch das H√§ckseln des Strohs l√§sst sich das Stroh besser f√∂rdern und die Rohrleitungen verstopfen nicht. Geh√§ckseltes Stroh hat zudem den Vorteil, dass es das G√ľllesystem nicht verstopft, wenn die Strohpartikel durch den Spaltenboden fallen. Durch eine Rohrkettenf√∂rderung k√∂nnen Futterautomaten mit geh√§ckseltem Stroh bef√ľllt werden. Das spart Arbeitszeit. Au√üerdem gibt es auf dem Markt Einstreusysteme, die kleine Mengen an geh√§ckseltem Stroh auf die Liegefl√§chen der Schweine verteilen, damit diese besch√§ftigt sind. Auch pelletierte Besch√§ftigungsmaterialien wie zum Beispiel ein Fasermix lassen sich √ľber automatische Spiralen in Automaten verteilen, so dass die Vorlage automatisiert erfolgen kann.

Der Einsatz von mehr Rohfaser in der F√ľtterung verursacht festere G√ľlle. Daher ist es wichtig, bei Bedarf den Kot abzuschieben, zum Beispiel mit einem Kotschieber. Zu beachten ist, dass in jedem Fall der G√ľllekeller an das Schiebersystem angepasst sein sollte. Auch die Installation einer G√ľllesp√ľlleitung ist hilfreich, um Schwimmschichten zu vermeiden. Beide Ma√ünahmen reduzieren zudem den Fliegenbefall.

Beschäftigungsobjekte

Besch√§ftigungsobjekte werden auf den Betrieben erg√§nzend eingesetzt und sind alleine f√ľr sich nicht ausreichend, weil sie wenig bis gar nicht ver√§nderbar sind. Dadurch verlieren sie f√ľr die Tiere h√§ufig schnell an Attraktivit√§t. Schweine bevorzugen freih√§ngende Objekte gegen√ľber solchen, die am Boden liegen. Wenn die Gegenst√§nde mit Kot verschmutzt sind, verlieren die Schweine schnell das Interesse daran. F√ľr manche Objekte m√ľssen Halterungen bzw. Vorrichtungen eingebaut werden. In der Praxis h√§ufig eingesetzte Besch√§ftigungsobjekte sind zum Beispiel Ketten, Bei√üringe, Spieligel, Bei√ükugeln, B√§lle, andere Spielzeuge oder Wippen, die zum Aufh√§ngen von Objekten dienen. Schweine erzeugen eigene Bewegungen des Spielzeugs, was immer wieder neues Interesse wecken soll.