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Wiederkäuer

Hygiene

Hygiene ist das A und O

Kot, Urin oder Fliegenmaden am Schwanz: Das Kupieren der Schwänze von Schaflämmern hat häufig hygienische Gründe. Deshalb muss hier angesetzt werden, wenn auf das Kupieren verzichtet werden soll.

Viele der in Deutschland gezüchteten Schafrassen haben lange, bewollte Schwänze. Aus hygienischer Sicht bringt dies eine ganze Reihe von Problemen mit sich:

  1. Lange, bewollte Schwänze verschmutzen sehr schnell.
  2. Fliegen nutzen verunreinigte Stellen an der Hinterpartie zum Ablegen ihrer Eier. Das kann bei den betroffenen Schafen zu einem Befall mit Fliegenmaden führen.
  3. Bei weiblichen Zuchtschafen ist das Euter durch den langen Schwanz verdeckt, Verschmutzungen und krankhafte Veränderungen des Euters können schlechter erkannt werden.
  4. Lange Schwänze erschweren die Geburtshygiene, weil Fruchtwasser und Blut an der Wolle kleben bleiben.
  5. Eine verschmutzte Hinterpartie beeinträchtigt die Arbeit des Schafscherers.

Um Verunreinigungen an der Hinterhand zu vermeiden, war es über viele Jahre (beziehungsweise Jahrhunderte) hinweg üblich, den Schwanz - vor allem der weiblichen Zuchtlämmer - zu kürzen. Doch das wird von der Öffentlichkeit als erhebliche Belastung für die Tiere angesehen. Das deutsche Tierschutzgesetz erlaubt das Kupieren der Schwänze von Lämmern deshalb nur noch im Einzelfall.

Was Schafhalter jetzt benötigen, sind Managementverfahren, die ein Verschmutzen der After- und Schwanzregion von Schafen verhindern, ohne dass die Schwänze der Lämmer kupiert werden müssen. Im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens (MuD) Tierschutz "Verzichten auf das Kupieren des Schwanzes bei Schaflämmern" erprobten deshalb sechs Schäfereien verschiedene Möglichkeiten zur Verminderung von Verunreinigungen der Hinterpartie von Schafen, unter anderem verschiedene hygienische Maßnahmen.

Hinterpartie mehrfach im Jahr ausscheren

Während der Laufzeit des MuD-Netzwerkes (1. November 2017 bis 30. April 2020) erwies sich das gezielte Ausscheren der Hinterpartie der Tiere als besonders wirksam.

  • Leistungsstarke Schermaschinen unterstützen die Routinearbeiten

Die Schafhalter scherten die Hinterpartie ihrer Tiere routinemäßig ein- bis zweimal im Jahr aus, und zwar vor dem Belegen im September/Oktober – also kurz bevor die Böcke zu den Muttertieren gelassen wurden - und/oder vor dem Ablammen. Das Ausscheren erfolgte zusätzlich zur Regelschur im Frühsommer.

Weil es in jedem Fall ein Mehraufwand ist, die Schafe mehrmals im Jahr auszuscheren, investierten einige Betriebsleiter in die Anschaffung einer leistungsstarken Schermaschine. Sie unterstützt die Schäfer bei ihrer Routinearbeit; so können die Schäfer zeitnah handeln, ohne sich vorher zum Beispiel mit einem Schafscherer absprechen zu müssen.

  • Akku-Schermaschine für den spontanen Einsatz

Eher für den spontanen Einsatz sind die Akku-Schermaschinen gedacht, die auf einigen Betrieben angeschafft wurden. Sie leisten immer dann gute Dienste, wenn eines oder mehrere Tiere „zwischendurch“ geschoren werden müssen, zum Beispiel weil sie bei der täglichen Tierkontrolle als stark verschmutzt aufgefallen sind.

  • Zusätzliche Schermesser, Schleifmaschine oder Wollsackhalter erleichtern selbständiges Arbeiten

Da aufgrund der verkürzten Schurintervalle mit einem erhöhten Verschleiß an Schermessern und Scherkämmen zu rechnen ist, war es auf den meisten Betrieben nötig, zusätzliche Schermesser und Scherkämme anzuschaffen. Ein Betrieb investierte in eine eigene Schleifmaschine, um die verschlissenen Schermesser selbst neu anschleifen zu können. Ein anderer Betrieb kaufte zusätzliche Wollsackhalter, um das Ausscheren arbeitstechnisch noch effizienter zu gestalten. Die Wollsackhalter ermöglichen das „Eintüten“ der Wolle gleich während der Schur. Das spart Zeit beim Aufräumen des Scherplatzes.

  • Einsatz einer Scherstraße

Um den Umgang mit den Tieren während des Scherens noch tierschonender zu gestalten, investierte ein weiterer Betrieb in eine Scherstraße. Bei dieser Vorrichtung durchlaufen die Schafe bis zum Scherplatz ein Einbahnsystem. Getrennt durch Absperrgitter stehen sie hintereinander in einer Schlange und warten entspannt auf ihre Schur oder eine andere Behandlung. Aus dieser Warteschlange kann der Schafhalter die Tiere mühelos entnehmen. Er muss sie nicht mehr aus einer größeren Gruppe herausfangen. Das spart beiden Seiten Stress – Schäfer wie Schafen.

Mutterschafe regelmäßig bonitieren

Während der Laufzeit des Modell- und Demonstrationsvorhabens erfolgte regelmäßig eine Bonitur der Mutterschafe. Aller drei Monate erfassten die Schäfer den Verschmutzungsgrad der unkupierten Schafe und dokumentierten das Ergebnis. Dazu nutzten sie folgendes Ampelsystem:

Nicht nur der Verschmutzungsgrad, sondern auch die Gründe der Verschmutzung wurden während des Projekts notiert. Dazu zählten Parasitenbefall, Futterwechsel, Witterungseinflüsse und die Verschmutzung durch Urin. So stellte sich beispielsweise heraus, dass nicht allein der Kot eine Ursache für die Verunreinigung der Hinterpartie von Mutterschafen ist. Urin bereitet manchmal sogar noch größere Probleme, da einige Schafe den Schwanz beim Urinieren nicht weit genug abhalten und sich beschmutzen.

Fang- und Behandlungsanlagen erleichtern das Management

Für das Tiergesundheitsmanagement allgemein bieten mobile Fang- und Behandlungsanlagen eine große Erleichterung. Sie wurden auf vielen Netzwerkbetrieben angeschafft. Mit den mobilen Anlagen ist es den Schäfern möglich, ihre Tiere schnell zu trennen und sicher und tierschonend zu fixieren. Weil die Betriebsleiter dabei nicht an einen festen Ort gebunden sind, ist das Einsatzspektrum der mobilen Fang und Behandlungsanlagen sehr hoch. Die Stände können unter anderem genutzt werden, um

  • die Schafe an der Hinterpartie auszuscheren,
  • Blutproben und Kotproben zu entnehmen,
  • die Schafe gegen Parasiten zu behandeln,
  • die Schafe zu selektieren - zum Beispiel um weibliche und männliche Tiere zu trennen,
  • Routinekontrollen/-arbeiten in der Herde durchzuführen. Dazu zählen unter anderem Klauenbehandlungen, aber auch Trächtigkeitsuntersuchungen. So tendieren Schäfer mit großen Herden immer mehr dazu, die Trächtigkeit ihrer Schafe mittels Ultraschall zu untersuchen. Sie können dann besser erkennen, ob die Tiere Einlinge oder Mehrlinge tragen und die Tiere gezielt füttern.

Mit Hilfe des Fang- und Behandlungsstandes haben Schäfer von allen Seiten aus einen sicheren Zugang zum zu behandelnden Schaf. Sie können arbeiten, ohne sich oder das Tier zu gefährden.

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  • Anhänger machen die Fanganlage mobil

Um die Fang- und Behandlungsanlage zügig von einem Ort zum anderen transportieren zu können, muss sie auf einem Anhänger montiert werden (oder direkt mit Anhänger gekauft werden). Mit etwas Übung ist die Anlage schnell montiert beziehungsweise demontiert.

  • Mit der Fixierklemme effektiv und sanft arretieren

Des Weiteren sollte eine bedienerfreundliche Fixiereinrichtung zur Fang- und Behandlungsanlage gehören. Die am MuD-Projekt beteiligten Betriebe statteten ihre Anlagen dafür mehrheitlich mit einer so genannten Fixierklemme aus. Diese Vorrichtung erlaubt das manuelle oder halbautomatische Arretieren des Schafes und verfügt meist auch über die Möglichkeit, eine Tierwaage anzuschließen.

  • Zusätzliche Aluminium-Horden

Darüber hinaus kann es nötig sein, die Stallausrüstung um zusätzliche Horden zu ergänzen. Sie sollten mit dem vorhandenen Fang- und Behandlungsstand kombinierbar sein. Bewährt haben sich Aluminiumhorden. Sie sind leicht und ermöglichen ein effektives Arbeiten während der Ausschur. Ein am Projekt beteiligter Betriebsleiter nutzt die Horden darüber hinaus für gezielte Anpaarungen, indem er die zu verpaarenden Schafe mithilfe der Horden separiert.

Hygiene bei der Ablammung steigern

Um zusätzlich zu den genannten Maßnahmen auch die Hygiene bei der Ablammung zu steigern, investierten einige der Teilnehmer in gut zu säubernde Ablammbuchten. Die einzelnen Horden sind zur Hälfte mit einer geschlossenen Kunststoffplatte bedeckt. Diese Platte ermöglicht es, die Horden gut zu reinigen und zu desinfizieren.