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Wiederkäuer

Tiergesundheit und Parasitenmanagement

Parasiten wirkungsvoll bekämpfen

Wer gesunde Lämmer mit unkupierten Schwänzen aufziehen möchte, benötigt ein gutes Tiergesundheits- und Parasitenmanagement.

Vitale Lämmer aufzuziehen ist das Ziel jedes Schafhalters. Seine Tiere sollen gesund und kräftig sein und gut wachsen. Eine sachkundige Gesundheitsvorsorge, zum Beispiel ein ausgeklügeltes Parasitenmanagement, ist dafür unabdingbar. Denn insbesondere Weideparasiten (Magen-Darm-Würmer) gefährden sowohl Lämmer als auch ausgewachsene Schafe. Parasitenbefall führt häufig zu starken Durchfällen, die die Afterregion verschmutzen und die Wolle verkleben. Wer Verluste durch Wurmbefall verhindern, Durchfälle vermeiden und Lämmer mit unkupiertem Schwanz gesund aufziehen möchte, kommt deshalb um ein systematisches Parasitenmanagement nicht herum.

Wie sich das in der praktischen Schafhaltung umsetzen lässt, erprobten die Teilnehmer des Modell- und Demonstrationsvorhabens (MuD) Tierschutz "Verzichten auf das Kupieren des Schwanzes bei Schaflämmern“.

Regelmäßige Kotproben erforderlich

Um das Ausmaß des Parasitenbefalls einer Herde zu ermitteln, müssen Schafhalter zunächst zuverlässig feststellen, in welchem Umfang ihre Tiere Parasiten ausscheiden und welche Parasitenarten im Magen und Darm der Tiere leben. Als eine der aussagekräftigsten diagnostischen Methoden und als wichtige vorbeugende Maßnahme gilt die Kotprobenanalyse. Sie hat sich auch bei der Beratung der MuD-Betriebe bewährt. Das Wissen und die Erfahrungen aus dieser Beratung fassten die Akteure in einem Praxisleitfaden zusammen. Die Broschüre kann unter dem folgenden Link kostenlos heruntergeladen werden:

Der Leitfaden soll Schäfern helfen, Wurmausscheidungen bei ihren Tieren schneller zu erkennen und das Management auf ihren Betrieben zu verbessern. Er ermöglicht es, Kotanalysen mit einfachen Mitteln und in wenigen Schritten selbst durchzuführen. Dazu zählen:

  1. Die Bestimmung des Dag-Score: Mit dem so genannten Dag­Score wird der Verschmutzungsgrad in der Afterregion der Schafe gemessen („Dag“ ist das englische Wort für eingetrockneten Kot). Der Wert gibt Aufschluss über die Schwere des Wurmbefalls und über das Risiko eines Fliegenmadenbefalls (Myiasis).
  2. Das Erfassen spezifischer Symptome: Zur Bestimmung der Parasitenart beschreibt der Leitfaden die Symptome des Befalls mit den häufigsten Weideparasiten bei Schafen (Magen-Darm-Würmer, Leberegel, Bandwürmer, Lungenwürmer, Zwergfadenwürmer, Peitschenwürmer, Kokzidien).
  3. Die Entnahme der Kotproben: Darüber hinaus ist im Leitfaden aufgeführt, wann Kotproben zu ziehen sind, welche Tiere beprobt werden sollten und wie eine optimale Kotprobe aussieht.

Die Analyse der Kotproben: Für die eigenbetriebliche Kotprobenanalyse und für den Nachweis von Nematodeneiern (Fadenwürmer) und Cestodeneiern (Bandwürmer) sowie Kokzidienoozysten gibt es ein einfaches Verfahren (das so genannte Flotationsverfahren), das Schafhalter einfach und schnell selbst durchgeführen können. Das Verfahren ist ebenfalls in der Broschüre beschrieben.

Parasiten im Kot mikroskopisch nachweisen

Die Kotprobenanalyse sollte regelmäßig ungefähr dreimal im Jahr erfolgen. Darüber hinaus ist eine Untersuchung dann notwendig, wenn ein Tier stark abgemagert ist, blasse Schleimhäute aufweist (zum Beispiel am Augenlid), aufgrund von starker Verschmutzung durch Durchfall auffällt oder wenn seine Gewichtszunahme nicht stimmt.

Ein Utensil, das für schnelle und effektive Kotprobenanalysen auf Endoparasiten unbedingt benötigt wird, ist ein handelsübliches Mikroskop. Das Gerät existiert mittlerweile auf jedem der MuD-Netzwerkbetriebe. Um den Endoparasitenbefall jedoch richtig einzuschätzen und eine gezielte Behandlung befallener Tiere vorzunehmen, bedarf es einiger Übung. Der Umgang mit dem Mikroskop stand deshalb im Mittelpunkt eines Netzwerktreffens der MuD-Betriebe. Die Schafhalter wurden dabei von einem Fachtierarzt für Schafe unterwiesen.

Spezialberatungen in Anspruch nehmen

Die gezielte Entwurmung der Tiere sollte grundsätzlich immer gemeinsam mit einem (Fach-)Tierarzt erfolgen, da je nach Haltungsform und Betrieb unterschiedliche Behandlungsformen angewendet werden müssen. Denn um Resistenzen vorzubeugen, ist es sehr wichtig, das richtige Entwurmungsmittel in genügend hoher Dosierung zu verabreichen. Zusätzliche Kontrolluntersuchungen des Kots bringen weitere Sicherheit, dass die richtige Behandlungsstrategie angewendet wurde.

Da jedoch nur wenige Tierärzte über ein spezifisches Schaf-Fachwissen verfügen, ist eine Fachberatung der Schafhalter vorgesehen, zum Beispiel über den Schafgesundheitsdienst der einzelnen Bundesländer. Auch die Schafzuchtverbände stellen eine Verbindung zu Fachtierärzten für Schafe her. Denn nur eine sehr gute Tiergesundheit, die über den Standard hinausgeht, führt zum Erfolg bei der Haltung unkupierter Schafe.

Fang- und Behandlungsstände erleichtern die Betreuung

Auf den Betrieben des MuD-Netzwerkes hat es sich bewährt, die Tiere während der Routinearbeiten genau in Augenschein zu nehmen, um Unregelmäßigkeiten schnell zu bemerken. Dabei bieten mobile Fang- und Behandlungsanlagen eine große Unterstützung. Denn mit diesen Vorrichtungen können die Tiere schnell und sicher fixiert werden, was zum Beispiel das Ausscheren der Hinterpartie der Schafe sowie die Entnahme der Blut- und Kotproben und die Behandlung der Tiere gegen Parasiten sehr erleichtert.

Für die schonende Fixierung (und um beide Hände für die Behandlung frei zu haben) statteten einige Schafhalter ihre Anlage mit einer Fixiertechnik aus. Die Technik ermöglicht das manuelle oder halbautomatische Arretieren des Schafes und verfügt meist auch über die Möglichkeit, eine Lämmerwaage zur Gewichtskontrolle der Schafe anzuschließen. Die Tierwaage ist für ein effizientes Betriebsmanagement ein sehr wichtig, denn sie erlaubt den genauen Überblick über die Gewichtszunahme der Tiere und erleichtert das Selektieren der Tiere sowie die richtige Dosierung des Entwurmungsmittels.

Parasitenbekämpfung in anderen Ländern

Wie man mit Hilfe eines geeigneten Weidemanagements den Endoparasitendruck senken kann, erfuhren die Schafhalter des MuD-Netzwerks im Rahmen einer Exkursion nach England. Dort baut eine britische Schafhalterfamilie auf ihren Flächen im Wechsel Weidelgras (als Weidefutterpflanze) sowie Gerste und Hafer (als Ackerpflanzen) an. Eine Fläche wird zwei Jahre lang beweidet, dann erfolgt der Umbruch der Weideflächen und die Ackerpflanzen werden angesät. Mit diesem Wechsel zwischen Beweidung und Ackerbau unterbricht die Schafhalterfamilie den Entwicklungszyklus der Parasiten auf ihrem Boden. Gerste und Hafer werden als Kraftfutter an die Schafe verfüttert.