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Schweine

Schwanzbeißen

Auf dem Weg zum unkupierten Schwein

Jahrzehntelang wurden Schweine in Deutschland überwiegend kupiert. Damit ist bald Schluss. Damit der Umstieg gelingt, ist ein Herantasten und Üben notwendig. In den MuD Tierschutz wurden Maßnahmen auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

Das Kupieren der Schwanzspitze des Schweins ist seit Jahrzehnten eine verbreitete Praxis der Schweinhaltung. Es sollte verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig die Schwänze verbeißen. Diese Maßnahme sollte somit dem Tierschutz dienen.

In der Zwischenzeit hat man viel über die Ursachen des Schwanzbeißens gelernt. Die Thematik hat nicht nur in der Wissenschaft bereits große Aufmerksamkeit erhalten. Auch in der Praxis liegen nun zahlreiche Erfahrungen vor, unter welchen Bedingungen das Risiko für Schwanzbeißen reduziert werden kann. Bundesweit haben sich mittlerweile einzelne Landwirte, aber auch Initiativen auf den Weg gemacht, einen Kupierverzicht umzusetzen. Auch in den MuD Tierschutz bildet der Verzicht auf diesen nicht-kurativen Eingriff einen Schwerpunkt auf dem gemeinsamen Weg zu einem nationalen Kupierverzicht.

Ganzheitliche Beratungskonzepte

Im Rahmen der sogenannten Beratungsinitiativen wurden zwischen 2014 und 2016 neuartige Beratungsmodelle in der Schweinehaltung getestet und umgesetzt. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erarbeitete ein Beratungskonzept zur Prävention von Schwanzbeißen beim Schwein. Ein anderes Vorhaben (Fachhochschule Südwestfalen gemeinsam mit dem Schweinegesundheitsdienst Nordrhein-Westfalen) hatte eine Verbesserung des Tierwohls durch die Betreuung von schweinehaltenden Betrieben mit akuter Caudophagie zum Ziel.

Der Schritt von der Theorie in die Praxis: Lösungen aus der Praxis für die Praxis

Seit 2015 testen Demonstrationsbetriebe verschiedene Maßnahmen, um Schwanzbeißen zu verhindern. Ferkelerzeuger und Mäster arbeiten gemeinsam Hand in Hand, um intakte Ringelschwänze bis zum Zeitpunkt der Schlachtung zu halten. Zunächst wurde auf allen Betrieben der Status Quo erhoben, um dann betriebsindividuelle Lösungen zu erarbeiten. Da jeder Betrieb anders ist, gibt es kein "Patentrezept", um Schwanzbeißen zu verhindern,

sondern es werden in der Ferkelaufzucht und Schweinemast unterschiedliche Maßnahmen erprobt und umgesetzt. Folgende Managementpakete müssen berücksichtigt und optimiert werden:

Im Fall eines Ausbruchs von Schwanzbeißen sollte immer ein „Notfallkoffer“ bereitstehen, um das Beißgeschehen möglichst schnell in den Griff zu bekommen.

Ein weiteres wichtiges Element der Projektarbeit der Demonstrationsbetriebe stellen Netzwerktreffen dar. Hier besuchen sich die Betriebsleiter und Angestellten gegenseitig auf Betrieben, diskutieren über Maßnahmen und tauschen ihre Erfahrungen aus. Bei den Treffen werden zudem fachliche Vorträge zu aktuellen Themen gehalten. Die Zusammenarbeit von konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben erweist sich immer wieder als gewinnbringend für alle Teilnehmer. In Multiplikatorenveranstaltungen teilen die Betriebsleiter der Demobetriebe ihre Erfahrungen mit externen Berufskollegen, Beratern und anderen Fachkollegen.

Fokus Wissenstransfer

Um die Erkenntnisse aus den MuD Tierschutz-Projekten und anderen Vorhaben noch zugänglicher für die breite Praxis zu machen, werden im Rahmen von neuen Projekten das geballte Wissen in Form von Veranstaltungen, Exkursionen und Studienreisen präsentiert und diskutiert. Dadurch soll auch eine bundesweite Vernetzung von Akteuren, die zu ähnlichen Themen arbeiten, gefördert werden. Ziel der Förderung ist es, Veranstaltungen zum Wissenstransfer und Informationsaustausch zu neuesten Erkenntnissen und Erfahrungen im Themenbereich Kupierverzicht für Fachpublikum zu generieren.